Zwei Scale-Up-Server der Enterprise-Klasse auf der Basis von Power9 haben ihr Debüt gegeben: der E950 und der E980. Beim E980 handelt es sich um das Topmodell der Power9-Server. Es soll selbst die datenintensivsten Anwendungen unterstützen und gleichzeitig wirtschaftliche Flexibilität mit Power Enterprise Pools und Capacity on Demand bieten.

Die beiden neuen Systeme sind so konzipiert, dass sie selbst datenintensive, unternehmenskritische Workloads ermöglichen. Dazu ist der IBM Power Systems Hypervisor, PowerVM, integriert, sodass die Anwender Computer und Speicher bei Bedarf dynamisch skalieren können. Eine Vereinfachung bringt auch der PowerVC ins Spiel, IBMs OpenStack-basierter Cloud-Manager. Er soll das Cloud-Management erleichtern.

Wenn es um unternehmenskritische Anwendungen geht, ist die Unterstützung von SAP-Lösungen sehr wichtig. Hier spielt vor allem der Umstieg auf S/4HANA eine wichtige Rolle. Sehr großen Erfolg weist IBM mit seinen Power-Servern auf, wenn es um den Einsatz von SAP S/4HANA geht: Seit der Ankündigung von SAP HANA auf IBM Power Systems (Ende 2015) haben sich weltweit mehr als 2.000 Kunden für ihre SAP-HANA-Umgebung für Power Systems entschieden. Mehr als zwei Drittel dieser Anwender hatten SAP HANA bereits auf einer x86-Plattform eingesetzt und sie aus verschiedenen Gründen durch eine HANA-on-Power-Infrastruktur ersetzt. Gründe dafür waren die bessere Skalierbarkeit von Power, schnellere Reaktionszeiten, eine höhere Stabilität, eine flexiblere Virtualisierung mit PowerVM und viele mehr.

Drei verschiedene Speicherarchitekturen kommen bei den Power9-Systemen zum Einsatz. Quelle: IBM

Als Vorteile der Power9-Architektur gegenüber den Xeon-Prozessoren von Intel verweist man bei IBM auf die zweifache Rechenleistung pro Prozessorkern, auf die 2,6-fache Arbeitsspeicherkapazität, die pro Prozessorsockel angesteuert werden kann, und eine 1,8-fache Arbeitsspeicherbandbreite pro Prozessorsockel. Diese Argumente spielen vor allem bei In-Memory-Datenbanken wie SAP HANA ihre Vorteile aus. Für den Schritt von der Power8- zur Power9-Architektur verspricht IBM sogar eine Verdoppelung beziehungsweise Vervierfachung des maximalen Arbeitsspeicherausbaus sowie eine um 40 bis 50 Prozent angestiegene Rechenleistung (je nach Workload).

Generell können bei der Power9-basierten Server-Baureihe drei verschiedene Arbeitsspeicherarchitekturen zum Einsatz kommen. Bei den Ein- und Zweisockelsystemen, die bereits seit Frühjahr 2018 als Scale-Out-Systeme zur Verfügung stehen, handelt es sich um ein „Direct Attach Memory“, bei dem pro Sockel acht DDR4-Standard-DIMMs für den Arbeitsspeicher bereitstehen. Der Einsatz von vergleichsweise günstigen DDR4-Industriestandard-DIMMs soll die Kosten für den Arbeitsspeicherausbau in Grenzen halten.

Ab den Scale-Up-Systemen der Power9-Architektur (das sind die beiden Enterprise-Server E950 und E980) gibt es dazu Alternativen. Die zweite Option – sie ist beim Enterprise-Server E950, einem Viersockelsystem, machbar – nutzt einen gepufferten Arbeitsspeicher: Über acht gepufferte Kanäle werden DDR4-Standard-DIMMs über „Centaur-Chips“ auf Riser-Karten angebunden. Im Falle eines maximal bestückten E950 liegt die Arbeitsspeicherkapazität bei 16 TByte (mit 128-GByte-DDR4-Bausteinen).

Die dritte Option ist im E980, einem 16-Sockel-System, enthalten: Sie wird ebenfalls als gepufferter Arbeitsspeicher bezeichnet und stellt acht gepufferte Kanäle – erneut über den Centaur-Chip – zur Verfügung. Doch als Speicherbausteine kommen keine DDR4-Chips zum Einsatz, sondern die schon bei Power8 verwendeten teureren Custom-DIMMs (CDIMMs) für die IBM-Server. Momentan wird bei einem E980 ein maximaler Arbeitsspeicherausbau von 64 TByte unterstützt.

Der reibungslose Übergang auf Power9-basierte Systeme basiert auf den Power Enterprise Tools und der „Elastic Capacity“-Funktionalität. Quelle: IBM

E950 und E980 sind speziell für den Einsatz mit unternehmenskritischen Anwendungen konzipiert. Umfragen bescheinigen der IBM für seine Power-Systeme eine Verfügbarkeit von 99,9996 Prozent. Als ein weiteres Argument für den Unternehmenseinsatz führt IBM das Thema Sicherheit ins Feld. Demnach sind auf allen Ebenen der Systeme (Prozessor, Firmware, Betriebssystem und Hypervisor) umfassende Sicherheitsvorkehrungen eingebaut. So sei der Hypervisor PowerVM der einzige unter all seinen wichtigen Konkurrenten, für den noch keinerlei Verwundbarkeiten gemeldet wurden. Mit „Security in Motion“ ist zudem eine Funktionalität verfügbar, die eine sichere verschlüsselte Übertragung von Daten beim Verschieben von einzelnen Partitionen (Live Partition Mobility) ermöglicht.

Als Betriebssysteme können auf dem E950 die AIX-Schiene, Linux-Versionen (SLES 11 SP4 BE, 12 SP3, 15 LE), RHEL 7.5 und auch Ubuntu 16.04.4. zum Einsatz kommen. IBM i ist nicht auf dem E950 vorgesehen. Auf dem Highend-System E980 kann auch IBM i (ab 7.3, TR5 und 7.2 TR9) betrieben werden.

Speziell für die unterbrechungsfreie Konsolidierung von Anwendungen, die auf älteren und nicht so leistungsfähigen Power-Servern laufen, und auf Server wie den E980 hat IBM ein interessantes Konzept in petto: das POWER Enterprise Pool Transition Concept. Ein Power Enterprise Pool besteht aus einer Gruppe von Systemen, auf denen mobile CoD-Prozessor- und -Speicherressourcen (CoD = Capacity on Demand) gemeinsam genutzt werden können. Anwender können Aktivierungen von mobilen CoD-Ressourcen beliebig auf die Systeme in einem Pool mit Befehlen der Hardware Management Console (HMC) verteilen, solange die Summe der Aktivierungen aller Systeme im Pool nicht überschritten wird. Mit diesen Operationen wird beim Verwalten umfangreicher Workloads in einem Enterprise-Pool hohe Flexibilität geboten und eine Ausbalancierung der Ressourcen vereinfacht. Diese Funktionalität spielt ihre Vorteile aus, wenn es darum geht, die Verfügbarkeit von Anwendungen während Wartungsaufgaben, Systemkonsolidierungen oder Migrationen sicherzustellen. Somit können nicht nur die Workloads ohne großen Aufwand auf andere Systeme im Pool verschoben werden, sondern auch die für die Performance notwendigen Prozessor- und Speicheraktivierungen.