Der Erfolg des Cloud Computing führt in vielen Unternehmen zu einer heterogenen IT-Land-schaft aus Speziallösungen, die meist von unterschiedlichen Cloud-Anbietern stammen. In dieser komplexen Infrastruktur müssen IT-Verantwortliche Daten so orchestrieren, dass diese über alle Systeme hinweg korrekt und konsistent in die Geschäftsprozesse einfließen.

Die IT-Infrastrukturen vieler Unternehmen wandeln sich derzeit von zentralen On-Premise-Installationen zu heterogenen Landschaften mit zahlreichen Einzelservices. Anwender aus Fachabteilungen erhalten damit Werkzeuge, die ihren spezifischen Anforderungen bestens entsprechen – für CIOs und CTOs wächst der Druck, den Datenfluss zwischen den Systemen so zu gestalten, dass sich in allen Geschäftsprozessen die richtigen Daten finden. Dafür brauchen sie ein umfassendes Cloud-Konzept, das alle Anforderungen berücksichtigt – operative wie auch technologische.

Das ist kein besonders leichtes Unterfangen, denn jeder Cloud-Anbieter hat sein eigenes Datenmodell. Sollen die eingesetzten Lösungen untereinander kommunizieren, müssen Daten nicht nur bei der richtigen Applikation ankommen, sondern auch zusammenpassen und bei Bedarf in das jeweilige Datenformat konvertiert werden. Was Unternehmen an dieser Stelle benötigen, ist erfolgreiche Cloud Integration.

Die Cloud Integration ist weniger eine technologische Herausforderung als vielmehr eine strategische. Denn Fachabteilungen versprechen sich aus der Vielzahl kleiner Speziallösungen optimierte Workflows und Geschäftsprozesse. Damit der erhoffte Mehrwert eintritt, muss sich auch die Cloud Integration an den Prozessen orientieren und nicht umgekehrt.

Schritt für Schritt zur Cloud Integration

Als Erstes empfiehlt sich eine Bestandsaufnahme: Welche Systeme sind im Einsatz oder in Planung? Und in welchen Geschäftsprozessen kommen sie vor? Wo und wie sollen die Lösungen untereinander kommunizieren? Ein besonders wichtiger Schritt ist hier die Stammdatenpflege. Ein System sowie eine Fachabteilung sind zu bestimmen, die die Datenhoheit unternehmensweit übernehmen. So entsteht eine Vergleichsbasis, um die Aufnahme neuer Daten und das Bearbeiten vorhandener daran auszurichten. Das gewährleistet, dass in alle Geschäftsprozessen die richtigen Daten fließen. Erst wenn diese Punkte klar sind, lässt sich ein „Autobahnkreuz“ entwickeln, das vorhandene Daten zwischen den einzelnen Systemen koordiniert und neue Daten an der richtigen Stelle integriert.

Auf dieser Basis setzt die technologische Perspektive auf: eine Middleware. Diese ist so auszuwählen, dass sie mit allen vorhandenen und geplanten Lösungen kompatibel ist. Richtig implementiert und konfiguriert sorgt sie für den nahtlosen Datenverkehr und leistet die notwendige Übersetzungsarbeit zwischen den Modellen – damit Daten immer den richtigen Weg im richtigen Format finden.

Torsten Knapp Quelle: Freudenberg IT

Das ist wichtig, weil innerhalb eines Geschäftsprozesses ganz unterschiedliche Cloud-Lösungen zum Einsatz kommen können. Ein Beispiel aus dem Online-Handel: Ein Kunde bestellt ein Produkt über den Webshop. Dieser muss den Vorgang eventuell an ein CRM-Tool weitergeben, ganz sicher aber an das ERP-System, etwa SAP S/4HANA. Dieses erstellt gegebenenfalls den Produktionsauftrag im MES-System, aktualisiert die Bestandsdaten bzw. die Bestellhistorie im Webshop sowie das CRM-Tool und so weiter.

Soll dieser Geschäftsprozess automatisiert und fehlerfrei ablaufen, ist erfolgreiche Cloud Integration ein Muss. Ist beispielsweise klar, dass das ERP die zukünftige Quelle für Stammdaten sein soll, lässt sich so zum Start eine Datenkonsistenz herstellen. Alle neuen Daten werden dann künftig über dieses System eingepflegt. Und sind Schnittstellen zwischen den Applikationen bestimmt und konfiguriert, lässt sich eine Middleware implementieren, die Datenströme fehlerfrei über alle Systemarchitekturen orchestriert.

Die Konsequenzen fehlender Cloud Integration sind weitreichend: Kommen etwa Daten nicht im ERP an, findet keine Lieferung statt. Ein weitaus größeres Problem ist aber, wenn Informationen zwar ankommen, Daten aber nicht richtig konvertiert werden. Solche Fehler fallen weitaus später auf und könnten dafür sorgen, dass der Webshop das ERP über Wochen mit falschen Daten füttert. Das endet nicht nur in einem enormen Arbeitsaufwand für die Fehlerbeseitigung. Folgen können auch zu hohe Nachbestellungen, Schwierigkeiten in der Lager- und Logistikplanung und letztlich Fehler in der Bilanz sein.

Nicht jedes Unternehmen hat die Ressourcen und die Erfahrung, die nötig sind, um eine umfassende Cloud-Strategie zu entwickeln. Ein externer Partner kann hier die notwendige Unterstützung bieten. Bei der Wahl des richtigen Partners ist darauf zu achten, dass dieser in einem ganzheitlichen Ansatz Beratung, Umsetzung wie auch Wartung übernimmt. Standardlösungen auf rein technologischer Basis können kurzzeitig Abhilfe verschaffen, sind langfristig gesehen aber zu starr. In Zeiten, wo Flexibilität, Agilität und Skalierbarkeit nicht nur eine angenehme Option sind, sondern ein Muss, brauchen Unternehmen optimal an Geschäftsprozesse, Ressourcen und IT abgestimmte Individuallösungen.

Angesichts der flexiblen Einsatzmöglichkeiten von Cloud Services ist davon auszugehen, dass die Komplexität der IT-Landschaften noch weiter zunimmt. Damit entwickelt sich Cloud Integration zu einem immer wichtigeren Faktor für den Unternehmenserfolg und sorgt – richtig erarbeitet und umgesetzt – für störungsfreien Datenverkehr, Datenkonsistenz über alle Systeme hinweg und letztlich für bessere Datenqualität. CIOs und CTOs können gemeinsam mit einem erfahrenen Partner ein individuelles Cloud-Konzept entwickeln und einführen – um das Potenzial der IT voll auszuschöpfen.

Bereits über die Hälfte der Unternehmen (56 Prozent) schreibt der Cloud Migration schon heute eine hohe Relevanz zu (IDG: „Cloud Migration 2018“) – Tendenz steigend: Für die nächsten zwei bis drei Jahre sind es bereits 74 Prozent. Welche Bedeutung der Cloud Integration zukommt, haben allerdings nicht alle erkannt: Eine von FIT und dem Analystenhaus PAC herausgegebene Untersuchung zeigt, dass viele Unternehmen den Integrationsaufwand von Cloud Services noch unterschätzen. Angesichts dieser Entwicklungen sind CIOs und CTOs gut beraten, mit einer umfassenden Strategie das Thema Cloud Integration aktiv anzugehen.