Von Industrie 4.0 bis Internet of Things (IoT) – Industrieunternehmen werden überschwemmt mit neuen Ansätzen dazu, wie disruptive Technologien ihre jeweilige Branche verändern werden. Was hier zählt, ist zielgerichtete Innovation: Das heißt, Unternehmen sollten von Anfang an eine sehr klare Vorstellung davon entwickeln, an welcher Stelle sie welchen Mehrwert von Innovationen erwarten im Hinblick auf ihr aktuelles und zukünftiges Geschäftsfeld.

Ob smarte Produktion, vernetzte Produkte oder neue Verfahren für Prototyping und Kleinserienfertigung: Produzierende Unternehmen stehen vor einem komplexen Spektrum an neuen datengetriebenen Konzepten. Die Frage ist: Was bedeuten sie aus Praxis- bzw. Anwendersicht?

Klar ist: Digitalisierung wird zum De-facto-Standard – in Produktionsanlagen wie auch in allen Geschäftsbereichen. Und die Verbesserungspotenziale sind vielversprechend – ob verkürzte Reaktionszeiten, neue Umsatzquellen oder erweiterte Kundengruppen.

Allerdings: Mit dem verstärkten Einsatz digital gesteuerter Technologien entstehen mehr Verbindungen, das Internet of Things baut sich auf und damit auch Big Data – Datenmassen, die neue und schnellere Methoden erfordern, um daraus Wissen und Handlungsoptionen zu generieren bzw. Entscheidungen abzuleiten. Letztendlich liegt die eigentliche Herausforderung disruptiver Technologien vor allem darin, mit den entstehenden Daten etwas anzufangen, also mit messbarem Vorteil verwertbare Informationen zu gewinnen. Gelingt dies nicht bzw. ist die bestehende IT-Umgebung nicht darauf ausgerichtet, resultiert der gegenteilige Effekt: Technologische Neuerungen verlangsamen ein Unternehmen, führen zu einer erhöhten Komplexität in Systemen und Geschäftsprozessen, was eher lähmt als neue Freiräume schafft. So betonte der Industrieanalyst Nigel Fenwick von Forrester Research, dass „es bei Digitalisierung nicht nur darum geht, neue Verbindungen nach extern zu schaffen; es geht darum, operativ agil zu sein und entsprechend zu handeln.“

Informationen im Kontext für vorausschauende Entscheidungen

Puristen unter den Fertigungsunternehmen argumentieren, dass IoT nichts Neues für sie sei – schließlich verfügen Maschinen seit langem über Sensoren, die Daten liefern – etwa wie der allgegenwärtige Laserdrucker, der exakt seinen Tonerstand ausweist und auch, wo Ersatzkartuschen zu bestellen sind. Allerdings: Die neue Qualität entsteht aus den technischen Möglichkeiten, durch Industrie 4.0 und IoT Informationen entlang eines gesamten Produktlebenszyklus integriert zu nutzen – vom Design über Engineering, Fertigung, Lieferung, Service bis hin zum Recycling – und unmittelbar relevante Informationen an die richtigen Stellen mit höherer Geschwindigkeit, Präzision und Effizienz als jemals zuvor zu liefern. Der unmittelbare Mehrwert besteht also im sofortigen Zugang zu Informationen im Kontext einer Handlung oder Entscheidung. Neu und bemerkenswert ist die Fähigkeit, Daten zu aggregieren, zu analysieren und anhand von Predictive Modelling sehr viel präziser vorausschauend zu handeln. An diesem Punkt wird klar: Taktisch braucht es Kreativität, diese Fähigkeit besser als der Wettbewerb zu nutzen. Und technisch braucht es einen ehrlichen Blick auf die IT mit dem Ziel, bislang tolerierte Unzulänglichkeiten grundlegend zu beseitigen.

Im Vorfeld von Industrie 4.0 und IoT sollten daher drei Fragestellungen unter die Lupe genommen werden:

• Ist die eigene Organisation für Industrie 4.0 bereit?

• Entspricht das ERP den nötigen modernen Standards und ist durchgängig über alle Geschäftsbereiche und Abteilungen installiert?

• Sind alle Fachbereiche eingebunden, um wirklich alle Vorteile durch Industrie 4.0- und IoT-Anwendungen zu identifizieren?

Diese drei Fragestellungen betreffen zwar unterschiedliche Geschäftsbereiche, sind entlang der Wertschöpfungskette aber direkt miteinander verbunden bzw. sogar voneinander abhängig. Das versteckte Potenzial technischer Innovation lässt sich daher am besten interdisziplinär ermitteln und in Gänze nur in Kooperation aller Kräfte im Unternehmen ausschöpfen.

Herausforderung 1:

Weniger Ausschuss, optimierte Maschinenauslastung, weniger Stillstandszeiten durch Predictive Maintenance, flexiblere Produktionsverfahren, einfachere Individualisierung von Produkten – die Ansätze mit Industrie 4.0 sind fast unerschöpflich. Die Vorteile dadurch sollten nicht auf eine smarte Produktion beschränkt bleiben. Vielmehr gilt es, daraus eine Kaskade an Effekten für das Gesamtunternehmen abzuleiten und messbar zu machen: Spotmärkte nutzen, Konditionen für Kunden verbessern, Produkte individualisieren, Produktspektrum und -services erweitern, neue Märkte etwa mit Kleinserien erreichen, Cross- und Up-Selling ausbauen – es lohnt sich, Innovationen der Produktion dominoartig für alle Geschäftsbereiche zu durchdenken. Neben teils ungeahnten Vorteilen in der Prozesskette ergeben sich oft auch in der Rückkopplung weitere Ansätze für die Produktion.

Herausforderung 2:

Die erste Herausforderung wird umso besser bewältigt, je koordinierter die Führungskräfte aller Abteilungen mit ihren Teams für Industrie 4.0 an einem Strang ziehen. Dazu gehört nicht nur die Bereitschaft, sich kontinuierlich abzustimmen, überlappende Verantwortungsbereiche zu koordinieren und nötige Veränderungen zu fördern. Es braucht auch eine entsprechend leistungsfähige IT-Unterstützung für die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit, Datenanalyse und Entscheidungsfindung. Denn das Drehen an Stellschrauben an einer Stelle im Unternehmen kann mit der stärkeren Vernetzung durch Industrie 4.0 in vielen Unternehmensbereichen erhebliche Auswirkungen haben. Neben formalen Abstimmungsprozessen ist daher Enterprise Social Media, wie es in modernem Enterprise Resource Planning (ERP) integriert ist, sehr hilfreich, um sich flexibler auszutauschen.

Herausforderung 3:

Gelingt es mit Industrie 4.0 und IoT, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und Produkte mit erweiterten Services oder Funktionalitäten auszustatten, muss dies auch im Vertrieb und After-Sales-Service abgebildet werden: in darauf ausgerichteten Angeboten und Service-Levels nach außen sowie reaktions- und handlungsfähigen Mitarbeitern und Prozessen nach innen. Meldet zum Beispiel ein Gerät beim Kunden über IoT Wartungsbedarf, braucht es technische Infrastrukturen und eine Organisation, dies zu erfüllen. Gleichzeitig könnte es erforderlich sein, im E‑Commerce oder in Self-Service-Portalen neue Funktionen einzubinden und mit den Back-Office-Systemen zu integrieren.

Zudem führen die meisten Neuerungen durch Industrie 4.0 und IoT zu größerer Kundennähe und/oder neuen Zielgruppen. Vertrieb und After-Sales-Service sind womöglich mit komplexeren Fragen konfrontiert, Prozesse im Gesamtunternehmen müssen neu gestaltet und beschleunigt werden. Das erfordert eine neue Qualität im Informationsmanagement auf allen Ebenen der Kundenkommunikation – von der Produktion bis hin zum Finanzwesen.

Herausforderung 4:

Dreh- und Angelpunkt für Industrie 4.0 und IoT ist demnach – vor allem in der produzierenden Industrie – ein modernes Enterprise Resource Planning System (ERP). Als Managementsystem für Unternehmenswachstum muss es nicht nur in der Lage sein, Informationen quervernetzt zu verarbeiten und auch mobil bereitzustellen. Es braucht zudem leistungsfähige Analytics-Funktionen und grafische Datenvisualisierung über Dashboards, um Zusammenhänge über die gesamte Wertschöpfungskette zu erkennen, Alternativszenarien durchzuspielen und rollenbasiert Entscheidungen zu unterstützen. Als zentrale Basis aller Geschäftsabläufe und Daten ermöglicht ERP erst die geforderte enge Zusammenarbeit aller Abteilungen. Und mit Hilfe flexibler Prozessgestaltung schafft es die Voraussetzung, die Veränderungen durch Industrie 4.0 und IoT auch unternehmensweit umzusetzen und zu messen.

Integrierte IT für zielgerichtete Innovation

Die Umsicht und Sorgfalt für „zielgerichtete Innovation“ stellt nicht nur sicher, dass Investitionen in neue Technologien umfassend ausgeschöpft werden können. Sie mindert auch die Gefahren durch ungeplantes Wachstum – ein Risiko, das MORAR Consulting im Auftrag von Epicor Software anhand einer Befragung von über 1.800 Führungskräften aus zwölf Ländern untersucht hat (weitere Infos unter www.epicor.com). Demnach befürchten 28 Prozent der Befragten in Deutschland, dass Unternehmenswachstum zu hohen Druck auf den operativen Betrieb ausübt und dadurch die Qualität und die Kundenzufriedenheit leiden könnten. Weitere 24 Prozent zeigten sich besorgt, dass ihre IT-Systeme nicht Schritt halten könnten mit umfangreicheren, komplexeren Geschäftsmodellen. Um Wachstum zu unterstützen und sich besser auf die damit verbundenen Aufgaben vorzubereiten, glauben 79 Prozent, dass eine leistungsfähige und integrierte IT-Infrastruktur unverzichtbar ist.

www.epicor.com