IT im Krankenhaus hat eine besonders kritische Bedeutung. Sie muss hier zuverlässig funktionieren, damit ihr Betreiber Leben retten kann. Im Februar 2016 verzeichnete das Klinikum Arnsberg einen Vorfall, bei dem Angreifer die bereits vorhandenen Sicherheitssysteme überwinden konnten. Malware hatte sich ihren Weg über Links in Social-Engineering-Mails in die IT-Landschaft des Klinikverbunds gebahnt, der aus dem Marienhospital in Arnsberg, dem Karolinen-Hospital in Hüsten und dem St.-Johannes-Hospital in Neheim besteht. Um Schäden zu vermeiden, entschloss sich die IT-Leitung, die IT herunterzufahren – auch auf Anraten des eilends konsultierten Landeskriminalamts.

Da die wesentlichen medizinischen Geräte auch ohne Anbindung ans Netz funktionieren, war die Versorgung der Patienten jederzeit uneingeschränkt sichergestellt. Die klinikinternen Kommunikationsprozesse allerdings mussten fast zwei Tage lang mit erhöhtem Aufwand manuell abgewickelt werden. „In unserem Fall haben es die Mitarbeiter mit gewaltigem Engagement geschafft, den Betrieb mittels ‚Zettelwirtschaft‘ über die Ausfallzeit zu retten“, erinnert sich Stefan Peters, Leitung Geschäftsbereich IT beim Klinikum Arnsberg, „aber über einen längeren Zeitraum hinweg hätten wir unsere Arbeit so nicht bewältigen können.“ Neue Patienten etwa konnten nur noch in dringenden Fällen aufgenommen werden. Am Ende verzeichnete das Klinikum einen Schaden in siebenstelliger Höhe.

Um weiteren Attacken dieser Art künftig besser begegnen zu können, entschied sich das Klinikum, neben einer Vielzahl anderer Maßnahmen, in ein Frühwarnsystem gegen Cyber-Angriffe zu investieren. Ziel war es, Attacken schneller aufdecken und eingrenzen zu können, etwa um Bereiche der Technik in Zukunft auch sektorenweise außer Betrieb nehmen zu können. Die Aktions- und Kommunikationsfähigkeit sollte in zukünftigen schwierigen Situationen so weit wie möglich erhalten bleiben. Als mögliche Lösung prüfte man früh die Implementierung eines Security-Information-and-Event-Management-Systems (SIEM).

Lösungen dieser Art sammeln die Logdaten der verschiedenen IT-Systeme zentral ein und setzen Daten, die auf mögliche Angriffe schließen lassen, zueinander in Beziehung (Korrelation). Aus dieser Perspektive werden auch komplexe schädliche Vorgänge erkennbar, die den Einzelsensoren möglicherweise entgehen – dazu gehören gezielte, direkte Angriffe durch Cyber-Kriminelle oder komplexe Malware-Aktivitäten, wie sie bei Ransomware-Attacken auftreten. Der SIEM-Einsatz hilft, die Angriffsmuster ohne zusätzliches Personal und unter geschickter Auswertung der Daten bereits vorhandener Security-Systeme schnell zu entdecken, effizient zu bewerten und automatisiert zu neutralisieren.

Da bereits eine Geschäftsbeziehung zwischen dem Dienstleistungspartner DTS und dem Klinikum Arnsberg bestand und man sich häufiger über Security-Themen ausgetauscht hatte, nahm die IT des Krankenhausverbunds Kontakt mit DTS auf. Die nächsten Schritte folgten schnell: Erste gemeinsame Gespräche zusammen mit dem SIEM-Anbieter LogRhythm fanden 2016 während der CeBIT statt, wo eine mögliche Lösung andiskutiert wurde, und im April 2016 traf man sich in Arnsberg. Dort konnte schließlich ein konkreter Evaluationsprozess vereinbart werden.

Erfolgreicher Proof of Concept

Stefan Peters prüfte die angebotene Lösung schließlich auf Herz und Nieren. „Man hört immer, SIEM-Einführungen seien endlos und hochkomplex“, erinnert er sich, „aber das können wir nun wirklich nicht bestätigen: Wir hatten innerhalb kürzester Zeit Resultate vorzuweisen!“ Das LogRhythm-System selbst etwa konnte innerhalb von vier Stunden in Betrieb genommen werden. Anschließend begannen die Security-Spezialisten der DTS und des Kunden sofort mit der Anbindung der zuvor ausgewählten Logquellen. Bereits am zweiten Tag war es dann möglich, die ersten Korrelationsregeln einzuschalten und Mehrwerte zu liefern. Die derart kurzfristig einsetzbaren Erkennungsmechanismen betreffen Bedrohungen, die heute viele Organisationen beschäftigen: So erkennt LogRhythm Ransomware unabhängig von Version oder Variante der Malware anhand des Verschlüsselungsmusters, alarmiert dann die Security-Teams und ermöglicht es ihnen, die Attacke innerhalb von wenigen Sekunden weitgehend automatisiert zu stoppen.

Bereits mit dem Alarm erhalten die Security-Analysten genaue und übersichtlich aufbereitete Informationen über die festgestellten schädlichen Vorgänge – dazu gehören der Name des bösartigen Prozesses und die Namen bereits infizierter Dateien. Auf Knopfdruck sind weitere Informationen abrufbar, darunter Hinweise auf mögliche andere infizierte Hosts. „Solche Informationen sind es, die es uns bei der ursprünglichen Attacke erlaubt hätten, gezielter zu reagieren und der Malware entweder komplett einen Riegel vorzuschieben oder beispielsweise Systeme in Betrieb zu halten, die mit Sicherheit noch nicht betroffen waren“, beschreibt Peters den Vorteil der schnellen Bereitstellung von Angriffsdetails.

LogRhythm erwies sich auch als flexibel darin, auf Besonderheiten der Kunden-IT einzugehen. So stellte es sich als echte Herausforderung heraus, auf das Golden-Image-Verfahren der Server im Klinikum zu reagieren. Die Images werden wöchentlich mehrfach kopiert und die Systeme anschließend gestartet, was die Logauswertung nicht stören darf. Hier machte es die Agentenfunktionalität von LogRhythm möglich, einmalig einen Log Collection Agent per Server zu installieren und zu konfigurieren. Anschließend wurde die Agenten-/Logquellenkonfiguration jeder Serverkopie automatisiert zentral gespeichert und bei jedem Neustart neu auf das Zielsystem gepusht. Damit entfällt im Klinikum eine komplizierte manuelle wöchentliche Neuinstallation und Konfiguration der Logquellen der Image-Server. „Die ganze LogRhythm-Architektur ist daraufhin optimiert, auch mit modernen dynamischen Umgebungen oder Cloud-Konstrukten zu arbeiten“, erklärt Dominik Hempel, Enterprise Account Manager bei DTS, das Verfahren. „Auch das ist ein Alleinstellungsmerkmal, das die früher so schwierige SIEM-Implementation und den darauf folgenden IT-Security-Tagesbetrieb nun deutlich vereinfacht.“

Ebenfalls schnell gelöst wurden Detailprobleme – so erforderte die klare Definition erster Use Cases zunächst so manche klärende Diskussion zwischen dem Kunden und den Anbietern, und für einige Logquellen mussten eigene Parser geschrieben werden.

Insgesamt standen für das Klinikum Arnsberg zwar technische Aspekte bei der Lösungswahl im Vordergrund – aber die Anforderungen des Betriebs spielten ebenfalls eine wichtige Rolle. Das Frühwarnsystem sollte vom bestehenden IT-Team problemlos genutzt werden können. Außerdem wollte man in der Lage sein, Use Cases – also die Erkennungslogik für bestimmte Bedrohungen – selbst zu erstellen, um sich gegebenenfalls auch gegen zukünftige neue Attacken zu schützen. Benutzerfreundlichkeit war somit ebenfalls Teil des Anforderungskatalogs.

^Schon im Juni 2016 fiel schließlich die Entscheidung, LogRhythm produktiv einzusetzen. So konnte das Einführungsprojekt inklusive der individuellen Anpassungen mit einem Aufwand von gerade mal acht Tagen abgeschlossen werden, wobei aber das Feintuning des Systems noch andauert.

„Die Investition lohnt sich – sie erhöht die Schlagkraft unseres Security-Teams zu vertretbaren Kosten ungemein“, zieht Stefan Peters Resümee.

www.logrhythm.com