Im Bereich von ERP-Systemen und MES erleben Workflow-Funktionalitäten derzeit eine Renaissance. Sie bieten Unternehmen die Chance, agiler zu werden, während die Arbeit für Mitarbeiter vereinfacht wird. Über die Möglichkeiten dieser Entwicklung spricht Flemming Hirschfeld, Produktmanager ERP bei der PSI Automotive und Industry, im Interview mit dem Midrange Magazin (MM).

MM: Was sind die großen Herausforderungen, die ERP-Systeme aktuell bewältigen müssen?

Hirschfeld: Smarte Oberflächen, Usability und agiles Arbeiten sind sicherlich wichtige Entwicklungen. Wir haben in den letzten Jahren viel in neue technologische Plattformen für unsere Produkte investiert. Auf dieser Basis wollen wir den Kunden systemübergreifende Masken und Dialoge zur Verfügung stellen. Wir verbinden verschiedene Systeme über Workflow-Funktionen, um dem einzelnen Mitarbeiter die für ihn nötigen Daten direkt zur Verfügung zu stellen. Mitarbeiter – zum Beispiel in Einkauf, Produktion oder Vertrieb – müssen ihre Informationen nicht wie früher aus verschiedenen Systemen zusammensuchen. Dem User soll ein Dialog zur Verfügung gestellt werden, in dem er alle für ihn wichtigen Daten findet, unabhängig davon aus welcher Anwendung diese Daten kommen. Wir machen die Arbeit für Anwender damit einfacher und effizienter.

MM: Wieso sind Workflow-Funktionen die Zukunft von Unternehmenssoftware?

Hirschfeld: Ein Workflow verändert die Art, wie in Unternehmen gearbeitet wird. Früher mussten Mitarbeiter in verschiedene Anwendungen gehen und schauen, was zu tun ist. In Zukunft werden sie ihre Aufgaben komfortabel per Push-Funktionalität erhalten. Wir realisieren also eine massive Arbeitserleichterung für Anwender und ermöglichen agiles Arbeiten.

MM: Was bedeuten Workflows für die Systemarchitektur von ERP-Systemen?

Hirschfeld: Die Komplexität in der IT von Unternehmen wird immer ausgeprägter, es sind immer mehr Produkte im Einsatz. Für Anwender führt das schnell zu Unübersichtlichkeit. Hier wollen wir mit Hilfe des Workflows eine Lösung finden.

Mit unserem nächsten Release werden wir unsere Workflow-Funktionalität noch weiter öffnen und eine Vielzahl von Systemen verbinden. Es wird möglich, systemübergreifend aus einer Oberfläche heraus zu arbeiten. Gleichzeitig wird die monolithische „All-in-one“-Software hin zu einem dynamischen System aufgebrochen.

Flemming Hirschfeld, PSI Automotive & Industry GmbH Quelle: PSI

MM: Wie kann man sich den Einsatz eines Workflows in der Praxis vorstellen?

Hirschfeld: Der Workflow ist der König des Prozesses. Prozesse müssen nicht mehr per Programmierung für jeden einzelnen Kunden angepasst werden. Der Kunde kann sich – bei Bedarf auch gerne gemeinsam mit unseren Beratern – über Workflow-Funktionen seine Prozesse konfigurieren und Aufgaben einzelnen Usern zuordnen.

Unser Kunde e.Go Mobile ist ein hervorragendes Beispiel. Dort nutzen wir Workflow-Funktionen in der Produktion, um über ein Werker-Cockpit Aufgaben zuzuordnen und zurückzumelden. Das Prinzip funktioniert aber auch in jedem anderen Bereich. Wir sagen deswegen: „Everything is a workflow!“

MM: Spiegelt sich diese Agilität auch in der Software-Entwicklung bei Ihnen im Haus wieder?

Hirschfeld: Die PSI setzt in verschiedenen Bereichen und Projekten auf agile Software-Entwicklung. Konkret war etwa die Entwicklung der Software-Lösung für e.GO Mobile ein Scrum-Projekt, in dem wir mit Sprints gearbeitet haben und der Gesamtüberblick per Kanban-Board visualisiert wurde. Workflows sind zudem besonders gut für agile Managementmethoden geeignet.

MM: Was ist Ihnen persönlich bei der Entwicklung von ERP-Systemen wichtig?

Hirschfeld: Wir sehen, dass je nach Branche ganz unterschiedliche Anforderungen an die Systeme gestellt werden. Wir sind der Branchenexperte für die Produktion, also für den Maschinen- und Anlagenbau und die Automotive-Branche. Dort haben wir über Jahrzehnte eine ausgeprägte Kompetenz aufgebaut, ebenso in der Beratung. Diese Fokussierung erlaubt es uns, unsere Kunden und deren Prozesse sehr gut zu verstehen und gezielt zu optimieren. Für die Expansion ins Ausland bietet die leichte Konfigurierbarkeit des Workflows die Möglichkeit, auf abweichende länderspezifische Regeln zu reagieren. Dies hat mittelständische Unternehmen – gerade wenn sie in einer Vielzahl von Ländern aktiv waren – bisher vor große Herausforderungen gestellt. Workflow-Funktionen helfen unseren Kunden dabei, alle Anforderungen zu erfüllen, denn die unterschiedlichen Regeln werden als Prozess abgebildet und per Workflow gesteuert. Lieferungen werden zum Beispiel erst dann automatisch freigegeben, wenn wirklich alle Erfordernisse erfüllt sind.