Nur durch den Einsatz geeigneter Fertigungs-IT sind produzierende Unternehmen in der Lage, im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Unter dem Blickwinkel „Industrie 4.0“ sind dabei Themen wie Interoperabilität und Kooperationen wichtig. Markus Diesner, Product Marketing Manager bei MPDV Mikrolab GmbH, erläutert im Interview mit dem Midrange Magazin (MM) die aktuellen Trends, die sich für Manufacturing Execution Systeme (MES) abzeichnen.

MM: Wie wichtig ist die im Umfeld von Industrie 4.0 geforderte Interoperabilität der IT-Systeme?

Diesner: In Zeiten von Industrie 4.0 ist Interoperabilität essenziell. Dazu gehört die Vernetzung über alle Ebenen der Automatisierungspyramide – also ERP, MES und Shopfloor –, aber auch die horizontale Integration mit Systemen wie PLM, Logistik oder Gebäudeautomation. Nur so kann die notwendige Transparenz als Grundlage für Effizienz und Reaktionsfähigkeit in der Produktion geschaffen werden.

MM: Wie lässt sich diese Interoperabilität realisieren, so dass alle beteiligten Systeme über Schnittstellen kommunizieren und einen performanten Datenaustausch bieten können?

Diesner: Dafür braucht es flexible Schnittstellen im MES – beispielsweise auf Basis von Standards wie REST oder OPC-UA. Ein alternativer Ansatz ist Fertigungs-IT auf Basis einer offenen Plattformarchitektur, wie sie zum Beispiel unsere Manufacturing Integration Platform (MIP) bietet. Damit können Systeme und Anwendungen aller Art mit Hilfe eines semantischen Informationsmodells integriert werden. Das geht also weit über das hinaus, was heute schon sogenannte IoT-Plattformen leisten.

Markus Diesner, Product Marketing Manager bei MPDV Mikrolab GmbH: „Integration braucht flexible Schnittstellen im MES oder eine innovative Plattform.“ Quelle: mpdv

MM: Welche Bedeutung haben Kooperationen für den Erfolg?

Diesner: Lassen Sie mich dazu zwei Begriffe aus der Umsetzungsempfehlung Industrie 4.0 heranziehen: Leitmarkt und Leitanbieter. Soll heißen: Fertigungsunternehmen werden innovative Lösungen sowohl selbst anwenden als auch auf dem Markt anbieten. Beispielsweise können Anwendungen, die für die eigene Fertigung entwickelt werden, auch anderen Unternehmen zum Kauf angeboten werden. Damit das funktioniert, braucht es mehr als nur Kooperationen – es braucht ein Ökosystem aus App-Entwicklern, Systemintegratoren und Anwendern. Unser Ziel ist eine ständig wachsende Plattformökonomie. Gleichzeitig ermöglichen wir mit einer solchen Plattform wie der MIP auch neue Geschäftsmodelle.

MM: Wer könnte von einer solchen Plattform profitieren?

Diesner: Lassen Sie mich dazu drei Beispiele skizzieren:

1. Ein Fertigungsunternehmen mit ausreichenden IT-Kapazitäten nutzt die Plattform, um darauf eigene Anwendungen zu integrieren.

2. Ein Systemintegrator kombiniert eigene Anwendungen mit auf dem Markt verfügbaren Standardapplikationen zu einer individuellen Lösung.

3. Ein Maschinenhersteller bietet zusammen mit seinen Anlagen Apps an, die deren Integration in die Fertigungs-IT erleichtern oder die Daten aus der Plattform nutzen, um übergreifende Informationen auf der Maschine anzeigen zu können.

In allen drei Szenarien profitieren die Entwickler davon, dass die Plattform ein praxisgerechtes Informationsmodell und wichtige Basisdienste bereits mitbringt.

MM: Wo stehen wir heute?

Diesner: Die MIP ist bereits seit Anfang Juli 2018 verfügbar. Erfolgversprechende Gespräche mit möglichen Partnern, App-Entwicklern und Systemintegratoren laufen auch schon. Allen, die kurzfristig eine einsetzbare Lösung für die Smart Factory brauchen, empfehle ich allerdings ein markterprobtes MES wie HYDRA von MPDV. Viele der genannten Schnittstellen sind auch hier verfügbar. Der Vorteil ist, dass ein MES schon viele konkrete Anwendungen mitbringt, die für die Plattform erst noch entwickelt bzw. adaptiert werden müssen. Stand heute sorgt ein MES für einen schnellen ROI.