Um die Leistungsfähigkeit von SAP HANA und S/4HANA voll auszuschöpfen und die Gesamtbetriebskosten zu senken, ist es wichtig, dass die Plattform für die jeweiligen Geschäftsanforderungen richtig dimensioniert ist. Dazu stellt SAP Werkzeuge bereit, um SAP HANA richtig zu dimensionieren und eine aussagekräftige Grundlage für den Erfolg bei der digitalen Transformation eines Unternehmens zu schaffen. Große Vorteile verspricht dabei der Einsatz der Power9-basierten Serversysteme.

Unter dem Begriff Sizing im SAP-Umfeld rangiert eine Vielzahl von Aspekten, die es zu beachten gilt: Dazu gehört das Bestimmen von Hardwareanforderungen, wie Speicher, CPU-Rechenleistung, Festplattenspeicher, Ein- und Ausgangskapazität und Netzwerkbandbreite. Generell handelt es sich dabei um einen iterativen Prozess, der in letzter Konsequenz Geschäftsanforderungen in Hardwarebedarf zu übersetzen hat, und der in der Regel bereits sehr früh in einem Projekt einsetzen sollte.

SAP HANA umfasst die nötigen Funktionen, um alle Daten zu verarbeiten – von Transaktionen bis hin zu erweiterten Analysen – unabhängig davon, ob sie lokal gespeichert oder virtuell verbunden sind. Da HANA die Daten zuerst im Arbeitsspeicher – sprich In-Memory – benutzt und verwaltet, erreichen Anwenderunternehmen damit eine Echtzeit-Performance für Analysen und Transaktionen, ohne dass sie ein aufwändiges Tuning in der Datenbank durchführen müssten.

Mit dem In-Memory-Konzept werden die Weichen zu mehr Einfachheit der IT-Infrastruktur gestellt: Die Analytik- und Transaktionsaufgaben lassen sich auf nur einer Plattform abwickeln. Das führt nicht nur zu einem schnelleren Zugriff auf die Daten und den daraus abzuleitenden Erkenntnissen, sondern auch zum Entfall von komplexen Data Warehouse-Strukturen, die über aufwändige ETL-Prozesse „gefüttert“ werden müssen. Denn der große Vorteil von SAP HANA liegt darin, dass die Ausführung von Analysen bei Live-Transaktionen machbar ist. Dazu gehört nicht nur die operative Analyse strukturierter Daten, sondern auch die erweiterte Analyseverarbeitung von strukturierten und unstrukturierten Daten. Aus diesem Grund ermöglicht es SAP HANA den Anwenderunternehmen, Live-Intelligenz aus allen ihren Daten zu ziehen und damit Ergebnisse abzuleiten.

Das „Sizing“ gilt als Synonym für die Bestimmung der richtigen Hardwarekonfiguration nicht nur für die aktuelle, sondern auch für die zukünftige Geschäftsanforderungen. Der Aufwand kann in Bezug auf Rechenleistung, Kapazität oder andere Parameter, die häufig bei Hardware auftreten, betrachtet werden. Entscheidend ist jedoch die Fähigkeit jeder Komponente, die benötigten Ressourcen für die nächste Stufe der Berechnungskette im Moment ihres Bedarfs zur Verfügung zu stellen. Das Ziel eines jeden richtig ausgelegten Systems ist es, Wartezeiten oder Leerlaufzeiten zu vermeiden. Dies wird auch als Antwortzeitoptimierung bezeichnet.

Der Sizing-Ansatz bei SAP geht von einem aus der Praxis abgeleiteten Mix aus besten, normalen und Worst-Case-Szenarien für eine bestimmte Arbeitsbelastung aus. Aus diesem Prozess heraus werden bestimmte Durchsatzmetriken definiert, wie z.B. die CPU-Leistung in den Werten des SAP Application Performance Standard (SAPS), die Speichergröße sowie die Ein- und Ausgabeoperationen pro Sekunde.

Doch die Dimensionierungsergebnisse werden sich wahrscheinlich mit jeder Änderung der Arbeitslast ändern, weshalb die Dimensionierung immer ein iterativer Prozess sein wird. Die Konfiguration ist der zweite Schritt bei der Definition der Systemarchitektur und besteht aus der Übersetzung der Dimensionierungsergebnisse, um das beste herstellerspezifische Equipment zu ermitteln. Dabei wird die Entscheidung für einen Hardware-Anbieter getroffen und dessen Anpassung an bestehende Unternehmensarchitekturen bewertet. Es werden Maschinenmodelle und Spezifikationen für alle notwendigen Hardwareelemente eines ausgewählten Herstellers definiert, einschließlich der Integration mit externen Komponenten anderer Hersteller, um die beste Anpassung für das Gesamtsystem zu ermitteln.

Bei SAP HANA hängt die erforderliche Leistungsfähigkeit jeder Ressource von der Art der auszuführenden Arbeiten ab: Um SAP HANA angemessen zu dimensionieren, konzentriert man sich bei SAP auf zwei Hauptelemente: die CPU (Prozessor-Rechenleistung) sowie den Arbeitsspeicher. Diese beiden müssen zusammenspielen, um die Workload-Anforderungen zu erfüllen. Hier kommen aber auch die Unterschiede der beiden Prozessorarchitekturen zum Tragen, für die SAP HANA zertifiziert ist: die Intel-x86-Schiene und IBMs Power-Architektur.

Auf IBMs Power-Systemen wurde eine sehr flexible und skalierbare Umgebung entwickelt, um Unternehmenskunden mit ihren geschäftskritischen In-Memory-Analysen zu helfen, Echtzeiteinblicke in ihr Business zu erzielen und Kosten zu senken. Diese Kombination, die die typischen Power- Vorteile mit Linux als Betriebssystem nutzt, biete laut IBM höchste Flexibilität, Ausfallsicherheit und Leistung. Damit erweisen sich die Power-basierten Systeme als sinnvolle Alternative zu x86-Systemen.

Die Per-Core-Performance des Power-Prozessors aus der Power9-Generation liegt erheblich höher als alles, was Intel derzeit zu bieten hat. Das hängt mit dem unterschiedlichen, zweckgebundenen Design des Prozessors zusammen. Power ist für datenintensive Workloads optimiert und kann dank des Multithreadings bis zu acht simultane Rechenprozesse parallel abwickeln – viermal so viel wie der Mitbewerb. Das bedeutet weniger Cores, geringere Lizenzkosten und einen erheblich reduzierten Platzbedarf im Datacenter; desgleichen geringerer Stromverbrauch, Managementkosten etc.

Ganz wichtig in einer Realtime-Computing-Umgebung sind die Latenzzeiten, die dank physischer Ausuferung der Instanzen im Intel-Bereich immer größer werden. Sie lassen sich im Power-Umfeld mit der neuen Generation drastisch reduzieren. Zusätzlich erhöht sich die Geschwindigkeit dank großer Memory Caches.