Das Thin Client Computing erlebt aufgrund der Sicherheitsthematik im IT-Bereich eine Renaissance. Heiko Gloge, CEO & Gründer von IGEL Technology, erläutert im Interview mit dem Midrange Magazin (MM), welche Trends sich nach seiner Einschätzung ergeben.

MM: Herr Gloge, wo steht Thin Client Computing Ihrer Ansicht nach im Jahr 2017?

Gloge: Der Begriff Thin Client Computing greift im Jahr 2017 eigentlich zu kurz. Die Digitale Transformation ist in aller Munde und eine der wichtigsten Fragen, die sich IT-Abteilungen heute stellen, ist die nach einem sicheren, flexiblen und sich schnell entwickelnden digitalen Arbeitsplatz, der geringe Kosten verursacht. Mit Hilfe von Virtualisierungs- und Cloud-Lösungen lassen sich diese Ziele erreichen, und es ist deshalb nicht verwunderlich, dass diese Themen bei vielen Unternehmen ganz oben auf der Agenda stehen. Die „Enterprise Survey 2016“ von Gartner hat herausgefunden, dass bis Ende 2017 rund 82 Prozent der befragten CIOs eine Cloud-Geräte-Strategie planen. Die Umfrage zeigt auch, dass mehr als ein Fünftel der teilnehmenden Unternehmen vorhat, Geräte wie Chromebooks, Thin Clients oder Stick-PCs zu erwerben. Diese Entwicklung ist überaus erfreulich, zumal sich die Bandbreite der Endgeräte allein im Thin Client-Bereich in den letzten Jahren wesentlich erweitert hat. Sie können bereits heute alle Desktop-Geräte, egal ob PCs, Notebooks oder Thin Clients, mit dem gleichen, sicheren und stabilen Betriebssystem ausstatten. Dieser softwaredefinierte Thin Client-Ansatz erlaubt nicht nur einen universellen Zugriff auf IT-Ressourcen, sondern gestattet den Administratoren ein lückenloses Endpoint-Management. Um damit auf Ihre Eingangsfrage zurückzukommen – ich denke, Thin Client Computing ist im Jahr 2017 ein wesentlicher Schlüssel, um die Digitale Transformation der Arbeitsplatz-IT erfolgreich voranzutreiben.

MM: IGEL ist seit Jahren Marktführer in Deutschland – was ist Ihre Erfolgsstrategie?

Gloge: Ich denke, dafür sind mehrere Faktoren ausschlaggebend. Natürlich haben wir unsere Produktpalette seit jeher nutzerorientiert weiterentwickelt und ausgebaut, immer im engen Austausch mit führenden Lösungspartnern wie Citrix, VMware oder Microsoft. Ein Aspekt zieht sich allerdings wie ein roter Faden durch die IGEL-Unternehmensgeschichte und stellt wohl die tragende Säule unseres Erfolgs dar: unsere Software. Angefangen mit dem ersten IGEL-Betriebssystem im Jahr 2001, gefolgt von der IGEL Remote Management Software im Jahr 2003: Die Software ist das Herzstück all unserer Lösungen. Gerade die IGEL Universal Management Suite (UMS) als das zentrale Endpoint-Management-Tool ist einer der großen Vorteile, den auch zahlreiche unserer Kunden hervorheben. Die Anwender schätzen die störungsfreie und intuitive Bedienoberfläche, über die sie alle Endgeräte aus einer Hand verwalten können. Ein Merkmal, dass uns auch ganz deutlich vom Wettbewerb unterscheidet. Über die Jahre haben wir zudem zahlreiche Software-Erweiterungen für die UMS entwickelt, die den Einsatzradius immer weiter vergrößern.

Heiko Gloge, CEO & Gründer IGEL Technology: „Das zukunftsfähigste Konzept sind Cloud-basierte Workspaces.“ Quelle: Igel

MM: Sie sehen sich also nicht mehr als Hardware-Hersteller?

Gloge: Die Frage kann ich mit einem klaren Jein beantworten. Natürlich legen wir auch bei der Hardware größten Wert auf qualitativ hochwertige Komponenten und bieten eine gut abgestimmte Produktpalette. Allerdings ist die Hardware nur der Träger, denn die Intelligenz liegt in der Software – in Form des Betriebssystems IGEL OS und der IGEL UMS. Um diese Intelligenz zu nutzen, ist schon länger kein klassischer Thin Client mehr nötig. Bereits seit 2009 können PCs und Notebooks mit Hilfe des Universal Desktop Converters (UDC) dauerhaft mit dem IGEL OS versehen werden und lassen sich anschließend über die UMS managen. Nutzer können so auch ältere Hardware effizient weiternutzen. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Logistikdienstleister Dachser, der rund 2.500 Altgeräte mit Hilfe des UDC umgewandelt und sie in seine bestehende Umgebung integriert hat. Die gesamte Infrastruktur bei Dachser umfasst 11.000 Geräte und ist die derzeit größte IBM i-Installation Europas, komplett gemanagt über die IGEL UMS. Für ein umfassendes Device-Management haben wir zudem zahlreiche Erweiterungen für die UMS entwickelt, mit denen Unternehmen ihre gesamte Infrastruktur im Griff haben. Die neueste Lösung hierfür ist das IGEL Cloud Gateway. Damit lassen sich auch externe, per Internet mit dem Firmennetz verbundene Endgeräte über die UMS verwalten. Bislang war dafür eine teure VPN-Verbindung nötig.

MM: Werden Sie trotzdem weiter neue Hardware entwickeln?

Gloge: Wir haben gerade unsere Zusammenarbeit mit AMD erneuert, was zeigt, dass wir hier nicht auf der Stelle treten. Ein Trend, der sich allerdings beobachten lässt, ist, dass die Hardware selbst immer kleiner wird. Unser neuestes Produkt ist gerade mal so groß wie ein Fingernagel und macht umso deutlicher, dass auch hier die Software der ausschlaggebende Punkt ist. Wir bezeichnen den UD Pocket deshalb als einen Micro Cloud Client. Er wird einfach per USB an Notebooks, PCs und andere x86-Hardware angeschlossen und macht diese Endgeräte zu einfach verwaltbaren Cloud-Arbeitsplätzen. Das Besondere ist, dass das ursprüngliche Betriebssystem erhalten bleibt. Wenn Sie den UD Pocket abziehen, können Sie Ihren Rechner wie gewohnt weiternutzen. Für moderne Arbeitsweisen wie Home-Offices oder BYOD-Szenarien eignet sich dieser Ansatz ideal. Gerade in Verbindung mit dem erwähnten IGEL Cloud Gateway kann ich so auch externen Mitarbeitern, die sich zum Beispiel mit Laptops per WLAN mit dem Internet verbinden, einen sicheren, kontrollierten Zugriff auf die firmeneigene IT ermöglichen.

MM: Die digitale Transformation birgt auch Risiken, gerade haben WannaCry und Petya für mächtig Wirbel gesorgt. Welche Schlüsse ziehen Sie daraus?

Gloge: Die beiden Attacken sind nur der Anfang, weitere Angriffe durch Schadsoftware werden folgen. Besonders erschreckend finde ich, dass es nach wie vor zahlreiche Unternehmen gibt, die ihre Datensicherheit durch veraltete Betriebssysteme aufs Spiel setzen. Selbst ein Oldtimer wie Windows XP ist noch im Einsatz. Wie ich zu Anfang schon erwähnte, verlagern zwar viele Unternehmen ihre IT-Systeme zunehmend in die Cloud, aber darüber vernachlässigen sie leider die Sorgfalt für ihre Endgeräte. Dabei gibt es längst Alternativen: Einer unserer Kunden, ein britisches Krankenhaus, hat sich aufgrund von WannaCry entschieden, seine Devices umgehend in die Cloud zu buchen. Für die Endgeräte hat das Krankenhaus 700 Lizenzen von IGEL OS gekauft, denn für einen Cloud-Arbeitsplatz braucht es keinen anfälligen Fat Client mehr. Unser OS auf Linux-Basis kann weder manipuliert noch verschlüsselt werden und die 64-Bit-Architektur sorgt für hohe Sicherheitsstandards. Organisationen, die ihr Heil immer noch in Sicherheitsupdates und Virenscannern suchen, handeln meiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäß und pflegen längst überholte und teurere IT-Strukturen fort.

MM: Trotz der beschriebenen Vorteile stehen viele Unternehmen der Virtualisierung zögerlich gegenüber – was kann man hier tun, welche Konzepte gibt es?

Gloge: Ich denke, das zukunftsfähigste Konzept sind Cloud-basierte Workspaces (WaaS), die monatlich oder exakt nach Nutzungsdauer abgerechnet werden. Auf dieser Basis lassen sich Business Apps und Desktops in- und außerhalb des Firmennetzes kosteneffizient und transparent bereitstellen. Eine Vorrausetzung dafür ist allerdings ein modernes Endpoint-Management, und das muss unabhängig vom Endgerät auf Netzwerkebene erfolgen. Es kann nicht sein, dass Systemadministratoren im Jahr 2017 immer noch komplexe Images auf PCs schieben, die dann mühsam gepatcht und aktualisiert werden müssen. Vielmehr sollte man auf ein sicheres Cloud-Betriebssystem setzen, das sich fest oder temporär auf verschiedensten Endgeräten installieren lässt und diese dann in ein einheitliches Endpoint-Management überführt. So können Cloud-Provider für ihre Kunden ein vollständiges Ökosystem aufbauen, einschließlich weit verbreiteter Szenarien wie Home-Offices, BYOD oder dem mobilem Zugang per Laptop. Dafür bieten wir mit Lösungen wie der IGEL UMS und dem IGEL Cloud Gateway die besten Voraussetzungen für ein wirklich durchgängiges Endgerätemanagement.