In der Vergangenheit wurde von IBM bereits mehrfach der Versuch unternommen, Linux auf Power – PowerLinux – salonfähig zu machen. Allerdings scheiterte dies bislang an fehlenden Anwendungsszenarien sowie fehlendem Engagement der ISVs für die IBM PowerLinux-Architektur. Doch mittlerweile ist die Zeit reif dafür – so die Aussage von Michael Ganzhorn, Business Unit Manager Datacenter bei der Axians IT Solutions GmbH.

Auf die Frage, wie es um die Marktchancen für PowerLinux, also die Linux-Variante für die POWER-Prozessorarchitektur bestellt ist, fällt die Antwort von Michael Ganzhorn, Business Unit Manager Datacenter bei der Axians IT Solutions GmbH, eindeutig aus: „Die Zeit ist reif; IBM hatte in der Vergangenheit schon mehrfach den Versuch unternommen, Linux auf Power salonfähig zu machen, scheiterte jedoch bislang an einem Mangel an Anwendungsszenarien sowie einer fehlenden kritischen Masse an zertifizierten ISVs für die IBM Power-Linux-Architektur. Der Gedanke war damals also durchaus schon richtig, aber der Zeitpunkt noch zu früh.“

Mit SAP HANA hielt und hält Linux nun in Siebenmeilenstiefeln Einzug auf Power-Systemen in den Rechenzentren. Bei Axians schätzt man, dass mittlerweile ein Drittel des Powergeschäfts auf HANA on Power basiert. Und der Anteil dürfte weiter steigen – die Erfahrungen sind zumindest bei den Kunden von Axians als überdurchschnittlich positiv zu bewerten.

„Des Weiteren wird Linux on Power vor allem im Bereich der künstlichen Intelligenz Fuß fassen, führt Ganzhorn aus. „Dabei handelt es sich aus Sicht der klassischen Power-Anwender um völlig ungewohnte Szenarien. Die IBM Power AI-Systeme, die speziell für die Verarbeitung einer erheblichen Menge an Bilddaten konzipiert wurden, werden für Data Scientists, die bis dato mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit keine Berührungspunkte mit der Power-Plattform hatten, immer attraktiver. Power AI ist speziell für Deep-Learning-Szenarien konzipiert. Die überragende Performance resultiert aus den paarweise verbauten Nvidia GPUs mit den bekannten POWER9-CPUs, die via NVLink verbunden sind. Diese ‚Traumhochzeit‘ bietet eine bis zu 5,6-fache Leistung pro Paar. Und dieser unschlagbare Durchsatz überzeugt ganz einfach.“

Die wichtige Rollevon Open Source

Als verstärkender Faktor komme noch die Auslieferung mit dem Power AI Open Source Software Framework dazu, welches den Data Scientists eine „Enterprise-ready-Plattform“ bietet. Axians verfüge neben umfangreichem IT-Infrastruktur- und HANA-Skills auch über eigenes Know-how in den Themen Data Science sowie Data & Analytics. „Wir beraten unsere Kunden und begleiten sie bei Proof Of Concepts (POCs). Um das umfassend tun zu können, haben wir Ende letzten Jahres ein eigenes Demo-System beschafft, das wir für solche individuellen Testszenarien zur Verfügung stellen“, betont Ganzhorn. „Wir glauben, dass IBM mit der Öffnung der Power-Plattform in Richtung Linux der Schritt in einen sehr zukunftsträchtigen Markt gelungen ist – und IBM sich damit neues Marktpotential erobern wird, was der Power-Plattform nur zu wünschen wäre.“

Michael Ganzhorn, Business Unit Manager Datacenter bei der Axians IT Solutions GmbH: „Die Kombination aus S/4HANA Anwendungen und IBM Power erweist sich in der Praxis als ideal.“ Quelle: Axians

Gemischte Konfigurationen

Generell lassen sich auch gemischte Systeme betreiben, also virtuelle Maschinen mit PowerLinux und virtuelle Maschinen mit IBM i. Je nach Anwendungsfall spielt eine derartige Kombination ihre Vorteile aus. Für Ganzhorn sind das in erster Linie Anwenderunternehmen, die einen ERP-Wechsel vornehmen, was gar nicht so selten vorkomme: „Wenn Kunden wachsen, trennen sie sich teils auch von mittelständischen ERP-Lösungen, die klassischerweise auf IBM Power i gefahren wurden. Im Migrationsfall kann die Power allerdings nicht Knall auf Fall abgeschaltet werden; in der Regel gibt es einen Parallelbetrieb der Altumgebung und des neuen SAP-Systems. Wir haben bei Kunden schon erfolgreich solche Szenarien auf zwei neuen IBM Power-Systemen abgebildet, obwohl die SAP-Einführung schon in Teilen auf Intel stattgefunden hatte. Der Kunde fand die Idee sehr charmant, nicht auf unterschiedlichen Plattformen operieren zu müssen. So haben wir eine Umgebung konzeptioniert, in der Power i mit dem Alt-ERP weiterlaufen kann und der neue SAP-HANA-Teil auf Linux on Power. Preislich gestaltete sich das in der Gesamtbetrachtung sehr attraktiv. Und der Kunde ist sehr zufrieden, weiterhin auf die Vorteile der Plattform setzen zu können.“

Was den Betrieb paralleler Szenarien angeht, biete Axians mit der selbstentwickelten Power Management- und Administrationslösung DPCM einen Mehrwert. Die Lösung ermöglicht den Parallelbetrieb von IBM i, AIX und Linux unter einer einfach zu bedienenden grafischen Web-Oberfläche. „Diese Lösung, die von Administratoren für Administratoren geschrieben wurde, ermöglicht auch weniger erfahrenen Betriebsmitarbeitern den einfachen Umgang mit IBM Power und bietet spezielle Funktionen optimiert für SAP Hana, so zum Beispiel schnelles Deployment oder homogenes Backup der SAP HANA-Instanzen“, fügt Ganzhorn hinzu.

Ergänzungsspieler

In einigen Teilbereichen können PowerLinux-Systeme die IBM i-Welt sinnvoll ergänzen. Dazu zählt Ganzhorn vor allem den Bereich um SAP HANA: „Power i-Anwender vertrauen seit Jahrzehnten auf die sprichwörtliche Zuverlässigkeit der Plattform. Die Architektur bietet eine überdurchschnittliche Leistung und deutlich mehr Transaktionen als im Intel-Bereich. Wenn ein Kunde SAP on IBM i betreibt, weiß er die Vorteile der Power-Plattform hinsichtlich Stabilität und Performance zu schätzen.“ Dadurch ergebe sich die Möglichkeit, auch die Plattform-Entscheidung für HANA in Richtung Power zu lenken. „Wir erfreuen uns in diesem Bereich guter Geschäftschancen und -abschlüsse“, plaudert Ganzhorn aus dem Nähkästchen. „Der Kunde hat die Möglichkeit, sein SAP on IBM i und HANA-Tests auf einem System zu fahren und nach und nach umzusteigen. Dieses schrittweise Vorgehen erleichtert Kunden den HANA-Einstieg.

Aus der Sicht von Ganzhorn ist S/4HANA sicherlich die Zukunft der SAP-Anwendungslandschaft. „Stand heute sehen wir den Fokus unserer Kunden klar im ersten Schritt, der Migration auf SAP HANA“, gibt Ganzhorn zu Protokoll. „Die Powerplattform ist von ihrer Konzeption her der ideale Hardware-Partner für eine SAP HANA-Umgebung. Die Plattform skaliert für HANA linear wie nahezu keine andere und bietet dabei ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Insofern ist die Power-Plattform auch eine ideale Basis für eine S/4HANA-Implementierung, da diese im Kern auf der HANA-Datenbankkomponente basiert. Insofern ist eine Kombination aus S/4HANA-Anwendungen und IBM Power eine ideale Kombination.“