Das IoT-Portfolio SAP Leonardo bündelt Big-Data-Anwendungen und Konnektivität zu einem geschäftsbereichsübergreifenden Paketangebot mit Anwendungsszenarien für vernetzte Produkte, Anlagen und Infrastruktur bis hin zu Fuhrparks, Märkten und Personen. Zudem hat SAP angekündigt, in den nächsten fünf Jahren zwei Milliarden Euro in IoT zu investieren. Doch im Bereich der Anwenderschaft – vertreten durch die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) – wird der Ruf nach einer Informationsoffensive zu SAP Leonardo laut.

Als ein Schnellstartprogramm für sein Innovationsportfolio rund um die Lösungen für das Internet der Dinge (IoT) sieht der ERP-Marktführer SAP sein Leonardo-Konzept. Das Programm zielt darauf ab, Anwender in die Welt intelligenter Geräte einzuführen, Personen und Prozesse zu verknüpfen und einen klaren Geschäftsnutzen zu realisieren. Generell möchte SAP es Unternehmen ermöglichen, IoT-Anwendungsfälle schneller identifizieren und validieren zu können. Sie werden dabei von Geschäftsbereichs- und Branchenexperten von SAP beraten. Das Programm setzt sich aus mehreren Phasen zusammen und nutzt die Design-Thinking-Methode, um die IoT-Innovationen an die Strategien und Ziele der Kunden anzupassen – in machbaren Schritten und mit klarer Wertschöpfung. Das Programm ist weltweit verfügbar, zum Umfang gehören auch definierte Business Cases für komplette IoT-Strategien und den weiteren Einsatz.

„Bei unserer Vision ‚Things to Outcomes‘ geht es um innovative Geschäftsprozesse wie Industrie 4.0, neuartige Geschäftsmodelle sowie neue Arbeits- und Lebensmodelle“, so die offizielle Verlautbarung von SAP. Durch SAP Leonardo verbinde SAP einerseits Dinge mit Geschäftsprozessen und mache diese damit unmittelbar und proaktiv. Andererseits bringe man auch Dinge und Menschen zusammen, damit sie dank erweiterter Intelligenz und autonomer Systeme effizienter arbeiten können.

Kommentieren SAPs Engagement bei Leonardo: Marco Lenck, Andreas Oczko und Ralf Peters (von links). Quelle: DSAG

Im Rahmen eines Einführungsangebots sind ein Pilotprojekt und das erste Jahr der Nutzung zum Festpreis erhältlich. Dies schließt das SAP-Leonardo-Portfolio mit folgenden IoT-Lösungen ein: SAP Connected Goods, SAP Vehicle Insights, SAP Predictive Maintenance and Service und SAP Asset Intelligence Network. Der Festpreis für Services und Lösungen macht das Einführungsangebot transparent und kalkulierbar. Der Kunde erhält ein IoT-Pilotprojekt mit klarem Umfang, Zeitplan und Preis.

Wie diese Versprechen bei den Anwendern ankommen, verdeutlicht der Vorstandsvorsitzende der DSAG, Marco Lenck: „Leonardo ist ein Dreiklang, der Unternehmen helfen soll, die Digitalisierung – insbesondere wenn es um neue Geschäftsmodelle geht – möglichst einfach zu realisieren. Er besteht erstens aus vorgedachten und adaptierbaren Applikationen, die bereits über das Stadium von Use-Cases hinausgehen. Zweitens legt die SAP Cloud Platform die Grundlage, um Technologien wie Blockchain und Machine Learning bereitzustellen. Komplettiert wird das Ganze durch ein Angebot verschiedener Services, wie zum Beispiel Innovations-Coaching und Design Thinking, mit denen SAP methodisch hilft, Verbesserungen zu identifizieren und etwa in Pilotprojekten neue Lösungen umzusetzen. Aus unserer Sicht stellt Leonardo ein interessantes Angebot dar, um Digitalisierungsvorhaben anzugehen. Allerdings ist der Reifegrad der einzelnen Komponenten aktuell noch unterschiedlich, weshalb wir als DSAG genau auf die weitere Entwicklung schauen und SAP als Sparringspartner zur Verfügung stehen.“

Aufklärungsbedarf bei SAP Leonardo

Im Zuge der DSAG-Jahreskongress-Umfrage 2017 (publiziert am 26.09.2017) hat die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe ihre Mitglieder befragt. Neben Aussagen zum Investitionsverhalten wurden auch Erfahrungen mit SAP-Produkten abgefragt. Dabei hat sich gezeigt, dass ein enormes Informationsdefizit in Sachen Leonardo besteht: 91 Prozent der Befragten kannten Leonardo damals kaum bzw. gar nicht.

Deswegen mahnt man bei der DSAG eine Informationsoffensive in Bezug auf SAP Leonardo an. Obwohl sich DSAG-Mitglieder vermehrt für das Portfolio aus Technologien, Anwendungen und Services für das Internet der Dinge interessieren, ist der Aufklärungsbedarf weiterhin groß. „Häufig fehlt es noch an dem Wissen, dass zum Beispiel in die SAP Cloud Platform investiertes Know-how auch eins zu eins für alle Themen rund um Leonardo nutzbar ist und umgekehrt“, konkretisiert Ralf Peters, DSAG-Technologievorstand. Wenn klar ist, wie mit den entsprechenden Technologien neue Welten erschlossen werden können, wird es auch mit Leonardo vorangehen.

Die DSAG nimmt sich dieser Informationsaufgabe ebenfalls an: Unter dem Motto „Business ohne Grenzen – Die Architektur der Zukunft“ findet der 19. Jahreskongress der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) vom 16. bis 18. Oktober 2018 im Congress Center Leipzig statt. Dabei liegt der Fokus auf richtungsweisenden Überlegungen, die auf dem Weg zu neuen Geschäftsmodellen diskutiert werden müssen: Welche Plattformen existieren für die Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie? Welches Cloud-Szenario ist für welchen unternehmerischen Ansatz geeignet? Und warum sind die aktuellen ERP-Landschaften in einem Dilemma?

Denn aus der Sicht der DSAG ist es in Zeiten permanenten technologischen Fortschritts zu wenig, sich nur mit bekannten Themen wie Konsolidierung oder Optimierungsprojekten zu beschäftigen. Vielmehr müssen Unternehmen jegliche Geschäftsideen zulassen und aufkommende Fragen aus Prozess- und Systemsicht beantworten. Generell ist der Kern hybrider IT-Modelle noch gesetzt, aber bei der Digitalisierung werden Plattformen eine wichtige Rolle spielen, um das erforderliche Maß an Flexibilität zu ermöglichen. Für Unternehmen besteht die Kunst darin, sich für die richtigen Plattformen zu entscheiden.

ERP im Dilemma

Zwar war lange Zeit ein zentrales ERP gesetzt und unter integrativen Gesichtspunkten sollte das auch weiterhin so bleiben. Da sich die Unternehmen jedoch für Kollaborationen mit Kunden und Lieferanten sowie Internet-of-things-Szenarien öffnen, entstehen Funktionalitäten, die nicht im ERP-System abgebildet werden können und auch nicht sollen. Dazu gehört beispielsweise die permanente Übermittlung von Betriebsdaten von beim Kunden installierten Maschinen für Wartungsservices oder für die Pay-per-Use-Abrechnung.

„Das heutige Dilemma besteht darin, dass einerseits im ERP-Kern so viel wie möglich integriert sein soll, dieser andererseits aber immer mehr mit Cloud-Komponenten erweitert werden muss“, gibt Lenck zu bedenken. Nur rein integrative Abläufe, wie zum Beispiel Planungsprozesse, gehören in den ERP-Kern und können nicht exklusiv in einer Cloud angeboten werden. SAP ist gefordert, hier nachvollziehbare und für den Kunden richtige Entscheidungen zu treffen.

Die Frage nach dem Preismodell

Mit dem digitalen Innovationssystem SAP Leonardo bietet SAP Unternehmen ganzheitliche Unterstützung bei der Umsetzung von Innovationsthemen wie dem Internet der Dinge (Internet of Things, IoT), maschinellem Lernen, Blockchain, Analytik sowie künstlicher Intelligenz und Big Data. Doch aufgrund der geänderten Nutzungsart im IoT-Umfeld ist auch ein passendes Preismodell gefragt.

Der Dialog zwischen der DSAG und SAP hat hier bereits zu einer Ausgestaltung eines neuen Lizenzmodells beigetragen. Anders als bisherige nutzerbasierte Lizenzmodelle für den indirekten Zugriff auf ERP-Anwendungen, orientiert sich das neue SAP-Lizenzmodell an der Wertschöpfung, die durch das Anlegen und Auslösen bestimmter Transaktionen und Dokumente im SAP-ERP-System erzielt wird. „SAP hat mit diesem innovativen Modell einen wichtigen Schritt getan, das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen, das in letzter Zeit etwas verloren gegangen schien“, so Andreas Oczko, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der DSAG (Vorstandsressort Operations/Service & Support).

Das Internet der Dinge braucht ein atmendes Pay-per-Use-Modell – so lautet die Kernaussage für den IoT-Bereich. Bezüglich des angekündigten Preismodells für das Internet der Dinge ist für die DSAG eine Lösung erstrebenswert, die sowohl aktuellen als auch zukünftigen Anforderungen gerecht wird. „Ein erster Schritt ist getan, um den Weg zur digitalen Transformation weiterzugehen. Ziel muss es jedoch sein, ein echtes, ,atmendes‘ Modell auf der Basis eines Pay-per-Use-Ansatzes zu entwickeln“, konkretisiert Andreas Oczko.