Wer S/4HANA betreiben möchte, dem gibt SAP genau vor, welche Hardware und welche Betriebssystemausstattung nötig ist, um hier einen zertifizierten Betrieb zu bekommen. Neben den Standard-Intel-basierten Servern ist auch die Power-Architektur mit dem Betriebssystem PowerLinux in dieser Zertifizierungsliste aufgeführt. Doch was sind die Vorteile von SAP S/4HANA, wenn diese auf der Power-Architektur betrieben wird?

Die Power-Architektur hat entscheidende Vorteile, vor allem was das Design komplexerer Landschaften betrifft“, erklärt Manfred Engelbart, SAP-Architekt der Cancom GmbH. „Wer mehrere Datenbanken zu betreiben hat, der sollte ein möglichst einfaches Serverkonzept nutzen. Als großer Vorteil erweist sich dabei die in der Power-Hardware integrierte Virtualisierungsfunktion, die PowerVM.“ Damit könne man, so Engelbart, diverse produktive und nichtproduktive HANA-Datenbanken und sogar unterschiedliche Betriebssysteme virtualisiert parallel betreiben.

„So ist es beispielsweise möglich, problemlos und flexibel auf dem gleichen Server von einer ‚traditionellen‘ SAP-Umgebung auf eine HANA-basierte Umgebung zu wechseln.“ Auch seien dabei deutlich weniger Limitierungen vorhanden, wie beispielsweise bei VMware auf Intel-basierten Servern. „Zudem kann man vorhandenes Wissen über die Power-Architektur auch weiterhin nutzen“, klärt Engelbart auf, „auch der Ressourcenverbrauch ist geringer als bei anderen Lösungen, speziell durch die gegenüber Intel deutlich leistungsstärkeren POWER8-Prozessoren, die außerdem sehr flexibel zugeordnet und im Enterprise-Bereich sogar über Servergrenzen hinweg verschoben werden können. Im Bereich der Enterprise-Server sind darüber hinaus bereits sehr viele Hochverfügbarkeitsfeatures in der Hardware der Power-basierten Systeme integriert.“

Auch Christian Lenz, Geschäftsbereichsleiter SAP bei der PROFI AG, bricht eine Lanze für die Power-Architektur: „Mit ihr lassen sich mehr virtuelle Systeme auf einem Host unterbringen, als bei vergleichbaren x86er Servern. Zudem ist Power von hinten bis vorne auf HPC – High Performance Computing – ausgelegt. Das ist besonders im HANA-Umfeld enorm wichtig.“

Zudem seien die Systemgrenzen viel weiter gefasst als bei den x86-Systemen. Aber auch bei vielen Kleinigkeiten, die in der Power-Architektur vorhanden sind, könne sich dieses System vom „Mainstream“ absetzen. „Wenn ich beispielsweise große Workloads oder Datenbanken in nur einem System betreiben möchten, wenn es etwa um Memory-Kapazitäten von 12 oder 16 Terabyte geht“, so Lenz weiter „dann spielt die Power-Architektur ihre Vorteile voll aus. Im Vergleich dazu ist die reine Hardware im direkten Vergleich zwar noch etwas teuer als die x86-er Server, allerdings darf man nicht vergessen, dass man ja bereits für bestimmte Bereiche wie den Virtualisierungs-Layer gezahlt hat, die etwa bei der x86er Architektur gesondert zu lizenzieren sind.“

„Die Power-Architektur hat entscheidende Vorteile, vor allem was das Design komplexerer Landschaften betrifft“, erklärt Manfred Engelbart, SAP-Architekt der Cancom GmbH.

Quelle: Jägle

Die Intel-Architektur weist laut Lenz bestimmte Limitierungen auf: „Die sind allerdings nicht unbedingt von der Hardware gesetzt, sondern auch seitens der Software, also von SAP vorgegeben. Bei der Power-Architektur dagegen kann das Verhältnis durchaus mehr in Richtung Memory verschoben werden.“

Der Testbetrieb habe gezeigt, dass die Systembetreuer den Prozessor-Core deutlich mehr Memory zuweisen können, als etwa in der Kompatibilitäts-Matrix von SAP vorgegeben ist – und das ohne erkennbare Performance-Einbußen. „Im Produktivbetrieb sind die Anwender allerdings gut beraten sein, sich an die entsprechenden SAP-Vorgaben zu halten. Generell sehe ich in diesem Bereich, dass sich Power einen größeren Vorsprung ausarbeiten wird – vor allem da die Power-Architektur eine sehr hohe Skalierbarkeit aufweist. Zudem ist es interessant, dass Power in einer Gesamtkosten- und Nutzenbetrachtung durchaus mit den vermeintlich günstigeren Preisen der x86-Architektur mithalten kann.“

„Die Limitierungen sind allerdings nicht unbedingt von der Hardware gesetzt, sondern auch seitens der Software, also von SAP vorgegeben. Bei der Power-Architektur dagegen kann das Verhältnis durchaus mehr in Richtung Memory verschoben werden“, ist Christian Lenz, Geschäftsbereichsleiter SAP bei der PROFI Engineering Sytems AG, überzeugt.

Quelle: Jägle

„Ein vorgegebenes Memory-to-CPU-Verhältnis existiert bei allen Plattformen“, stellt Holger Behrens, Vorstand cormeta ag, heraus. „Nur bei den Intel-Servern geht das Verhältnis eher in Richtung CPU-Cores, sprich es wird etwas weniger DRAM pro Core zugewiesen, da hier weniger Threads pro Kern abgearbeitet werden. Dabei darf nicht vergessen werden, dass SAP mit seinen Vorgaben auf ‚Nummer Sicher‘ gehen möchte, und ausschließlich das unterstützt, was selbst getestet wurde.“

Daher sei dieses Verhältnis entsprechend vorgegeben. „Bei bestimmten Konstellationen erweisen sich diese festgelegten Werte allerdings als kontraproduktiv“, so Behrens weiter „etwa wenn ein typischer Anwendungsfall mit einer In-Memory-Datenbank mit 1 TByte Kapazität nicht auf einer bestimmten und relativ günstigen Appliance läuft, weil beispielsweise zu wenig CPU-Cores verfügbar sind. Die Anwender müssen dann zu nächstgrößeren und deutlich teureren Lösung greifen.“

Mittlerweile seien die Kinderkrankheiten von SAP HANA auf der Power-Architektur ausgemerzt, so Lenz. „Leider hat dieses Bereinigen meiner Meinung nach zu viel Zeit beansprucht. Allerdings gehe ich davon aus, dass kaum ein bisheriger x86-Anwender nun plötzlich auf Power umsteigen wird. Aber die bestehenden SAP-Power-Anwender sollten einen Einsatz von SAP HANA auf ihrer bisherigen Prozessorarchitektur unbedingt in Betracht ziehen.