Neue Zeiten erfordern neuartige Lösungen – diese Aussage trifft auch für den Bereich der Systemintegration zu. Torsten Scheussner, Microsoft-Architekt für Infrastruktur- und Architekturberatung bei der PROFI Engineering Systems AG, erklärt im Interview mit dem Midrange Magazin (MM), wie das Thema Hybrid Cloud sowie die Integration von Microsoft-basierten Lösungen die IT-Landschaften verändern wird.

MM: Wer heute von Digitalisierung spricht, der muss sich mit der Integration von Cloud Services auseinandersetzen. Wie wichtig ist für die Anwenderunternehmen der Nutzen von hybriden Infrastrukturen?

Scheussner: Der Nutzen steht natürlich im Vordergrund und ist das A und O hybrider Infrastrukturen. Anders ist die damit einhergehende Komplexität nicht zu rechtfertigen. Nur wenn für die Fachabteilungen ein echter Mehrwert entsteht, sind hybride Infrastrukturen berechtigt.

MM: Welche Vorteile bringt der Einsatz einer Hybrid Cloud?

Scheussner: Eine Hybrid Cloud bietet den Vorteil, ohne Investitionskosten volatile Workloads bedienen zu können. Des Weiteren ist es möglich, große Cloud-Anbieter sowie deren weltweit verteilte Strukturen zu nutzen und gleichzeitig den Anwendern für ihre sensiblen Daten und für ihre nicht Cloud-fähigen Applikationen eine innovative Lösung anzubieten. Eine hybride Cloud kann die perfekte Kompromisslösung sein: Anwendungen und Daten, die aus Sicht des Unternehmens weniger kritisch sind, werden an einen Dienstleister ausgelagert. Zusätzlich kann das Unternehmen bei kurzfristigen, ressourcenhungrigen Projekten die Infrastruktur des Dienstleisters nutzen und vom Cloud-Prinzip „pay per use“ profitieren. Sensible Applikationen und Daten hingegen verbleiben im eigenen Rechenzentrum. Bestes Beispiel hierfür ist der konstant steigende Anteil an Office 365-Implementationen. Hier wird technisch und kaufmännisch auf das beste Modell gesetzt und mit den eigenen IT Services zu einem Business Service kombiniert.

Torsten Scheussner, Microsoft-Architekt für Infrastruktur- und Architekturberatung bei der PROFI Engineering Systems AG: „Es ist wichtig, alle Grundwerte der Sicherheit zu betrachten, also neben Vertraulichkeit auch Integrität und Verfügbarkeit.“ Quelle: Profi AG

MM: Wie ändert sich die Rolle der Inhouse-IT, und welche Aufgaben können Dienstleister übernehmen, wenn eine Hybrid Cloud zum Einsatz kommen soll?

Scheussner: Die Aufgaben und Rollen ändern sich teilweise dramatisch, sowohl in der Inhouse-IT als auch bei den Dienstleistern: Weg vom Selbermachen, hin zum Management von Services. Insgesamt ist die Anzahl der Lösungsansätze in allen IT-Bereichen durch den Cloud-Anteil exorbitant gestiegen. Diese Vielfalt an Cloud-Lösungen birgt aber auch Gefahren. Die Kunden sind gefordert, aus einer Vielzahl von Angeboten, Service-Verträgen und Leistungsdaten einen Business Service zu kreieren, den sie an ihre Anwender weitergeben können. Der Dienstleister kann im Idealfall in all diesen Bereichen unterstützen, angefangen beim Lösungsdesign bis hin zur Integration in technische und betriebliche Prozesse. Eine Delegation von Aufgaben an externe Dienstleister wird durch die Mandantenfähigkeit der Cloud-Anbieter grundsätzlich erleichtert. Hier sehen wir beim Klein- und Mittelstand aktuell einen Wandel in der klassischen IT: mehr Sicht auf Services als auf Technologie. Unternehmen machen sich keine Gedanken mehr über das „Wie“, sondern nur noch über das „Was“.

MM: Welche Rolle spielen die Sicherheitsbedenken heute noch, wenn es um den Einsatz einer Hybrid Cloud geht, und wie lässt sich diese Einstellung „adaptieren“?

Scheussner: Es ist wichtig, alle Grundwerte der Sicherheit zu betrachten, also neben Vertraulichkeit auch Integrität und Verfügbarkeit. In den Bereichen Verfügbarkeit und Integrität dient die Nutzung von Cloud-Services heute als Argument für eine Erhöhung der Sicherheit. Ein gutes Beispiel hierzu ist die Nutzung von Cloud Services als zweiter Standort oder Backup as a Service als Alternative zur Auslagerung von Bändern.