IT-Verantwortliche fragen immer häufiger: Ist IBM i (noch) eine geeignete Plattform im digitalen Zeitalter? Die Antwort darauf ist eindeutig: Absolut ja, da das Betriebssystem alle notwendigen Anforderungen erfüllt – inklusive „legendärer“ Sicherheit und Verfügbarkeit. Beweisen kann man dies allerdings nur, wenn die mit IBM i vorhandenen Optionen bekannt sind und bei Bedarf auch angewendet werden (können). Mit nicht mehr unterstützten IBM i Releases und bereits buchhalterisch schon lange abgeschriebenen Systemen ist es dagegen nur bedingt möglich, sich in Vergleichen mit aktuellen Computerarchitekturen zu behaupten. Und IT-Verantwortliche im Mittelstand sollten gerade hier mit Innovation und Kontinuität brillieren. Weitere Argumente liefern viele Vorträge auf der POW3R-Konferenz, die am 27. und 28. Juni 2017 in Köln stattfindet.

Bereits im Jahr 1997 startete IBM seine E?Business-Kampagne. Ein deutliches Zeichen für den Aufbruch in die Zukunft, die Unternehmen und den Geschäftsverkehr im Netz revolutioniert hat. Doch haben in den vergangenen zwanzig Jahren alle Unternehmen die Zeichen der Zeit erkannt? Gerade Nutzer der IBM i-Plattform verfügen seit vielen Jahren über alle Möglichkeiten der Digitalisierung. Erstaunlicherweise nutzen aber längst nicht alle Unternehmen alle Optionen. Sollten Sie aber!

Spätestens mit Version 4 von OS/400, Vorgänger des heutigen Betriebssystems IBM i, wurde TCP/IP das Standardprotokoll für den Netzwerkbetrieb einer AS/400. Mit V4R2 wurden grundlegende Webtechnologien, wie der HTTP-Server und Java – inklusive der Java-Toolbox –, integrierte Bestandteile des Betriebssystems. Mittels neuer APIs konnte schon damals RPG zur Programmierung von Webanwendungen genutzt werden. Mit Net.Data stand sogar bereits eine einfache Skriptsprache für Webanwendungen zur Verfügung.

Im Laufe der Jahre wurden die Möglichkeiten der „AS/400“, Business-Prozesse internet- oder zumindest netzwerkfähig zu implementieren, stetig erweitert. Die PASE-Umgebung, inklusive QSHELL, ermöglichte die Portierung weiterer Produkte, wie PHP und mySQL. Mittels Technology Refreshs kamen in den letzten Jahren weitere Open-Source-Produkte hinzu, etwa Node.js.

Erstellt man eine Query und wird als Ausgabeformat MS Excel im Browser gewählt, kann man nach Abspeichern dieses Requests unter einem Namen wie zum Beispiel „DBQuery“ das Abfrageergebnis als Excel-Datei auch direkt unter der URL abrufen.

Quelle: IBM

Auch die in IBM i integrierte Datenbank DB2 wurde fortwährend modernisiert. Der Übergang von proprietären Datenbankschnittstellen zu Standard-SQL wurde vollzogen. Mit Encoded Vector Indizes, Data Cubes, Materialized Query Table und neuen SQL-Funktionen wurden die Fähigkeiten der IBM i hinsichtlich ihrer Eignung zur Lösung analytischer Aufgaben ständig verbessert. Aber auch die von IBM entwickelten „AS/400“ Access Clients wurden kontinuierlich an die neuen Anforderungen angepasst. Der Vorgänger von „IBM i Access for Mobile“ stellte bereits Ende der 1990er-Jahre Funktionen bereit, die Standardaufgaben, wie eine personalisierte Bereitstellung von Daten im Microsoft-Excel-Format, mittels URLs ermöglichte.

Erstellt man eine Query und wählt man als Ausgabeformat MS Excel im Browser, kann man nach Abspeichern dieses Requests unter einem Namen wie zum Beispiel „DBQuery“ das Abfrageergebnis als Excel-Datei auch direkt unter der URL /iamobile/iWADbExec/sqlOutput.xls?request=DBQuery abrufen, ohne den Umweg über das Menü von Access for Mobile nehmen zu müssen. Die IBM i-Datenbankberechtigungen der User werden berücksichtigt. Zusätzlich kann über „IBM Access for Mobile“ sogar eingeschränkt werden, wer die Abfrage „DBQuery“ überhaupt ausführen darf. Auch das Standard Command Line Interface, das 5250-Terminal, wurde Web-fähig. Die aktuelle Version von „IBM i Access for Mobile“ ist insbesondere für Touch-Screens wie beispielsweise Tablets geeignet.

Auch wenn man diese Aufzählung fortsetzen könnte, verstärkt sich bereits jetzt der Eindruck, dass sich die Herausforderungen der Digitalen Transformation mit IBM i in hervorragender Weise meistern lassen. Schaut man allerdings auf die gegenwärtigen Nutzungsprofile vor allem kleinerer IBM i-Nutzer, so scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Viele „laborieren“ an Anwendungsmodernisierungsprojekten und suchen nach zwei Jahrzehnten immer noch nach dem für sie kostengünstigsten „Königsweg“. Vermeintlich günstige „Modernisierungszauberstäbe“ stellen sich letztendlich jedoch oft als teure, unflexible Ansätze heraus, die zwar den visuellen Eindruck („Look“) verbessern, aber die Anwendungen als solche ihre Herkunft („Feel“) nicht verbergen lassen.

The 2016 State of IBM i Modernization White Paper” von Profound Logic.

Quelle: Profound

Nicht, dass man vorhandene „Green Screen“-Anwendungen nicht modernisieren könnte, aber dies braucht Experten, die die jeweils unternehmensindividuelle Ausgangssituation zunächst bewerten und nach sorgfältiger Planung in der Lage sind, den Code zu ändern und zu erweitern. Niemand wird allerdings bestreiten, dass Neuprogrammierung ohne Rücksichtnahme auf Vergangenes einfacher ist. Ob sie in jedem Fall sinnvoll und kostengünstiger ist, muss anhand „innerer Werte“ der „legacy software“ entschieden werden. Auf jeden Fall verlangt dies neben klassischer IBM i-Programmierung ebenso Wissen um Web-Technologien, modulare Programmierung und Möglichkeiten des Datenaustauschs zwischen Front- und Backend-Softwareschichten. SQL-Kenntnisse sind ebenfalls hilfreich, sowohl für die Verwaltung von Tabellen und für Datenzugriffe wie auch für eine datenbanknahe Programmierung.

Wer sich für Standardsoftware entschieden hat, steht mit Schnittstellenprogrammierung eventuell vor ähnlichen Herausforderungen. Dabei ist es egal, ob die Softwarelösung „on-premise“ im unternehmenseigenen Rechenzentrum oder „off-premise“ in der Cloud zur Verfügung gestellt wird.

Für Neu- und Schnittstellenprogrammierung existieren inzwischen einfach zu erlernende „Programmier-Rezepte“ basierend auf „Best-Practices“. Dass RPG dabei nach wie vor eine wichtige Rolle spielen kann, beweist zum Beispiel der Experte Rainer Ross mit seinen auf RPG basierenden Webservices. Tests zeigen, dass diese auf RPG basierenden Webservices schnellere Zugriffszeiten beim Datenaustausch zwischen Front- und Backend erreichen können als herkömmlichen JDBC- bzw. ODBC-Datenbankverbindungen. Da ein schlechtes Antwortzeitverhalten im digitalen Zeitalter zu geringerer Produktivität und manchmal auch zum Verlust von Aufträgen führt, ist die Weisheit „Zeit ist Geld“ auch für Anwendungen gültig. Dabei müssen keine speziellen, kostenpflichtigen Tools genutzt werden, sondern lediglich Standard-APIs von IBM i.

Dass vielseitig einsetzbare „Programmierrezepte“ relativ schnell erlernbar sind, bewiesen fünf Teilnehmer des ersten IBM i-Kurses an der bbw Augsburg. Sie zeigten in ihren Abschlussprojekten, dass sie bereits nach wenigen Unterrichtseinheiten in der Lage waren, das Erlernte auch in der Praxis einzusetzen. So entwickelte ein Teilnehmer bereits während des Kurses eine benötigte Schnittstelle von IBM i zu einer in seinem Unternehmen verwendeten E?Commerce-Anwendung.

Dr. Wolfgang Rother, Leading Technical Sales Professional Systems & Technology Group IBM.

Der Autor wird am 28. Juni 2017 im Rahmen seiner Abschluss-Keynote „Trends & Directions: Power9 – Ein etwas anderer Ausblick“ auf der POW3R-Konferenz in Köln einen Ausblick auf die kommende Power-Generation geben.