Auch wenn die klassische IBM-5250-Anwendung auf den ersten Blick etwas verstaubt aussieht, ist und bleibt sie ein System mit hoher Verfügbarkeit für Warenwirtschafts- und Buchhaltungsanwendungen. In Verbindung mit Office-Produkten auf Windows-Terminal-Servern stellt Zweygart den Usern einen vollumfänglichen IT-Arbeitsplatz zur Verfügung.

Die Zweygart Fachhandelsgruppe GmbH & Co. KG ist im Produktionsverbindungshandel für Handwerk und Industrie angesiedelt. Verkauft werden schwerpunkthaft Werkzeuge, Befestigungstechnik und Beschläge. Hierfür betreibt Zweygart zwölf Fachmärkte und Niederlassungen über Deutschland verteilt sowie ein großes Logistikzentrum und natürlich den Online-Handel via Webshop. Dr. Wolfgang Zweygart stand für diesen Bericht Rede und Antwort.

Die Firma Zweygart setzt aus historischen Gründen nach wie vor auf die IBM i-Series als Hauptsystem für Warenwirtschaft und Buchhaltung. Bis in die 1990er-Jahre wurde an den klassischen grünen Terminals gearbeitet, die dann nach und nach durch Thin Clients von IBM Typ Netstation 2200 abgelöst bzw. ergänzt wurden. Doch auch Dr. Zweygart bekam den Brief von der IBM, in dem von der Abkündigung der Netstations und des Networkstation Manager geschrieben wurde. Es wurde sich am Markt umgeschaut und räumlich ganz in der Nähe das Produkt Ceptix der Firma levigo systems gmbh, das das Vorgängerprodukt der heutigen openthinclient-Softwarelösung war, gefunden.

Seit 1998 werden von Dr. Zweygart erfolgreich und nutzbringend Thin Clients im Haus eingesetzt. Anfangs lief neben der IBM 5250-Sitzung auch mit Citrix Metaframe, später dann mit Windows Terminal-Server 2000 und ab dem Jahr 2009 mit Terminal-Server 2008, und aktuell erfolgt die Umstellung auf Terminal-Server 2016 – die ersten zwei Testmaschinen laufen bereits im eigenen Rechenzentrum.

Die Windows-Maschinen stellen den Anwendern typische Büroanwendungen zur Verfügung. So laufen aktuell zwei Terminal-Server, die Microsoft Office bereitstellen, und vier weitere, die LibreOffice installiert haben. Des Weiteren verwendet Zweygart als Mail- und Groupware-System Lotus Notes. Auf den Terminal-Servern sind zudem zahlreiche Anwendungen von Lieferanten installiert, beispielsweise Softwareprodukte zur Konfiguration von Schließanlagen – wobei hier auch immer wieder die Herausforderung besteht, solche Software funktional auf einem Terminal-Server zu installieren.

Neben den deutschlandweit zwölf Fachmärkten gewinnt der Onlineshop an Bedeutung. Quelle: openthinclient

Im Zuge der Firmengründung der openthinclient gmbh innerhalb der levigo Firmengruppe wurde von Zweygart schon relativ früh die vorhandene Thin-Client-Lösung in die openthinclient-Software migriert. Gründe hierfür waren einerseits, dass durch neueren Kernel des openthinclient-OS eine größere Palette von Hardware unterstützt wird, andererseits, dass das Management neuere RDP-Clients beinhaltet, die ihrerseits neuere RDP-Protokollversionen unterstützen, und einen größeren Funktionsumfang für die zentrale Konfiguration der Thin Clients zur Verfügung stellt. Neben den Büroanwendern, die die oben genannten Office-Produkte verwenden, sind im Lager einige Thin Clients im Einsatz, die nur eine Terminal-Anwendung zur i-Series als native Anwendung ausführen. Es wird im Lager an zahlreichen Arbeitsplätzen kein Office-Produkt benötigt und durch die lokale Ausführung des Linux-basierten IBM i-Series Access Client die Terminal-Server-Lizenz gespart.

Sämtliche Außenstellen sind zu 100 Prozent mit Thin Clients ausgestattet. Dr. Zweygart sieht den Vorteil klar darin, dass er über die RDP-Verbindung schnell und einfach den Anwendern die volle Infrastruktur zur Verfügung stellen kann, ohne erst lokal in der jeweiligen Filiale einen Server, Storage, PC oder Ähnliches installieren zu müssen. So ist das Look-and-Feel auch bei einer schmalen Bandbreite für den Endanwender ähnlich dem, der in der Firmenzentrale an einem Thin Client arbeitet.

Ein weiterer Vorteil der Thin Clients ist beispielsweise die Security, da USB-Devices zentral deaktiviert oder explizit für einzelne Clients wieder freigeben werden können. Das lokale Installieren von Software auf dem Thin Client-OS ist für den User nicht möglich.

Sehr übersichtlich ist für Dr. Zweygart im openthinclient-Manager die Darstellung der einzelnen Arbeitsplätze. „Für mich ist die Verwaltung sehr einfach, da ich die Konfiguration an den Arbeitsplatz pinnen kann und so ganz einfach sehe, welcher User Office zur Verfügung gestellt hat und welcher nicht.“

Ein weiterer Vorteil ist die bereits erwähnte Möglichkeit, verschiedene Hardware als Thin Client zu verwenden. Neben Geräten von openthinclient direkt hat Dr. Zweygart auch schon verschiedene Barebones beschafft und eingesetzt. Der große Nutzen liegt allerdings bei in die Jahre gekommenen PCs. Diese sind häufig nicht mehr leistungsfähig genug, um ein Update auf ein aktuelles Windows-Betriebssystem zu erlauben. Mit einer kleinen Umstellung im Bios können sie jedoch in kürzester Zeit als Thin Client mit dem openthinclient-OS verwendet werden, und sie sichern so den Investitionsschutz über weitere Jahre.

Unabhängig davon, ob nun ein alter PC oder ein neues Gerät von openthinclient gekauft wurde, für Dr. Zweygart gibt es schon lange keine „Turnschuh-IT“ mehr. „Wenn beispielsweise unser Standort Olpe einen neuen Arbeitsplatz benötigt, dann bereite ich ihn hier vor, indem ich ihn einmal auspacke, hochfahre und die Konfiguration anlege. Alles zusammen, vom Auspacken bis dann das Paket versandfertig nach Olpe auf dem Tisch steht, dauert gerade einmal 15 Minuten. Meine Kollegen in Olpe können dann den Thin Client einstecken und sofort losarbeiten. Einfacher geht es nicht.“

Offen wird aber auch über die Nachteile der Thin-Client-Software-Lösung gesprochen. Wenn zusammengerechnet wird, wie hoch die reinen Anschaffungskosten sind, ist die Thin-Client-Lösung teurer. Neben der TC-Hardware, die nur geringfügig günstiger ist als ein PC, kommen zahlreiche Lizenzen dazu, wie zum Beispiel Windows-Terminal-Server-CAL, Access-CAL usw. Dennoch spricht in der ganzheitlichen Betrachtung doch erheblich mehr für Thin Clients statt für lokal installierte PCs. So verwendet die Firma Zweygart sicherlich die richtige Mischung aus allem: Thin Clients im Lager, in Außenstellen, in der Zentrale für die Buchhaltung, in der Disposition, im Einkauf, aber eben auch bei PCs oder Laptops für Vertrieb und Geschäftsleitung und bei Macs beim Marketing.

Als nächste Projekte stehen bei Dr. Zweygart der schon erwähnte Umzug auf Terminal-Server 2016 an, aber auch die Einführung einer Computer-Telefon-Integration in Verbindung mit neuen SIP-Telefonen.

Etwas Bauchschmerzen bereitet ihm langfristig die IT-Security. Am Tag vor diesem Gespräch sind bei der Zweygart Fachhandelsgruppe 27 E-Mails mit Virus oder Trojanern eingegangen. Diese wurden zwar allesamt von der entsprechenden Antivirensoftware erkannt und ausgefiltert, aber es ist vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis eine solche E-Mail Schaden anrichtet. Und die beinahe täglichen Meldungen in den Medien über neu entdeckte Sicherheitslücken in Windows 10, in Browsern, in Fritzboxen oder in Firewalls tragen nicht unbedingt zur Beruhigung bei.

www.openthinclient.com