Das Ende der Bereitstellung von ISDN durch die Deutsche Telekom AG rückt in immer greifbarere Nähe. Bis zum Jahresende 2018 sollen alle ISDN-Anschlüsse abgeschaltet werden, allen Kunden werden in Konsequenz die entsprechenden Verträge sukzessive gekündigt und alternativ moderne IP-basierende Lösungen angeboten. Im Interview mit dem Midrange Magazin (MM) verdeutlicht der Vertriebsleiter der menten GmbH, Björn Reimann, welche Folgen dies für die Nutzer hat, wenn man vorhandene EDI-Kommunikationsstrukturen betrachtet.

MM: Welche Komplikationen ergeben sich für Anwender, die zum Beispiel X.400 einsetzen?

Reimann: Bei X.400 handelt es sich noch immer um ein verbreitetes System, insbesondere für die EDI-Kommunikation in Handel und Produktion. Beliebter Zugangsweg zu X.400 ist zum Beispiel das ISDN-Netz. Steht dieses nicht mehr zur Verfügung, sind Alternativen nötig, wie sie etwa unsere Lösung ‚i-effect‘ bietet.

MM: Was kann ISDN ersetzen?

Reimann: Hervorzuheben ist das Applicability Statement 2-Protokoll, kurz AS2. Es bietet nicht nur die Option, unter Verwendung des AS2-Gateways der Telekom das X.400-Netz zu erreichen. Zusätzlich beschaffen sich Unternehmen so einen flexiblen Übertragungsweg, unabhängig von einem Provider und nur über das Internet, der die direkte Verbindung zu anderen AS2-Nutzern gestattet. AS2 gewährleistet zudem, die Echtheit und Unversehrtheit der Nachrichten durch Verschlüsselung und Signatur.

MM: Was halten sie vom Odette File Transfer Protocol, kurz OFTP?

Reimann: OFTP ist vorwiegend im Automobilbereich verbreitet. Noch vielfach genutzt in der Version 1 bedient sich auch OFTP unter anderem des nun entfallenden ISDN-Netzes. Die logische Konsequenz bei der Modernisierung von OFTP1 ist die Nutzung der Weiterentwicklung OFTP2. Vergleichbar mit AS2 erfolgt die Übertragung auch hier direkt mit den Trading-Partnern rein über das Internet und gesicherte Verbindungen mit signierbarer Statusverfolgung. Zusätzlich lässt OFTP2 die Übertragung größerer Datenmengen zu, was gerade für CAD-Files eine wesentliche Rolle spielen kann.

Björn Reimann, Vertriebsleiter der menten GmbH: „Wer ältere EDI-Software-Lösungen im Einsatz hat, sollte sie wegen der Abkündigung von ISDN einer kritischen Prüfung unterziehen.“ Quelle: menten GmbH

MM: Welche Empfehlungen geben Sie für EDI-Software, wenn ISDN wegfällt?

Reimann: Wer noch immer ältere EDI-Software-Lösungen im Einsatz hat, sollte diese einer kritischen Prüfung unterziehen. Sind bei der eingesetzten Software zwingend Zugangsmöglichkeiten per ISDN-Datenübertragung erforderlich, besteht dringender Handlungsbedarf. Je nach Intensität des EDI-Geschäfts ist ein Zeitraum von mehreren Monaten für eine Migration auf eine neue EDI-Lösung eher die Regel. Es ist also frühzeitig dafür zu sorgen, mit dem Auswahlprozess zu beginnen, bevor man sich mit der Abschaltung des ISDN-Anschlusses konfrontiert sieht.

MM: Gibt es bezüglich der ISDN-Abschaltung einen Rat, der für möglichst viele Anwender gilt?

Reimann: Im Einzelfall wird es ausreichen, einen einfachen, alternativen Zugang zu X.400 zu schaffen. Doch in vielen Fällen ist es ratsam, die Veränderung bei ISDN zum Anlass zu nehmen, seine gesamte EDI-Infrastruktur zu überprüfen und sich oftmals längst überfälligen Modernisierungsaufgaben sowie auch Forderungen von Kunden, Lieferanten und Branchen zu stellen.

MM: Kann das ein Anwenderunternehmen alles alleine stemmen?

Reimann: Für diese Aufgabenstellung ist Support und Consulting durch einen erfahrenen EDI-Berater zu empfehlen. Oft ist festzuhalten, dass sich IT-Verantwortliche notwendigen EDI-Aufgaben nur rudimentär stellen können, weil sie schlicht nur selten deren Arbeitsalltag berühren. Doch in der Regel sind EDI-Projekte nach angemessener Analyse weniger komplex, als sie sich zu Beginn darstellen.